Was muss der Gärtner beachten?
Düngebedarfsberechnung für Stickstoff und Phosphat

Feld mit bunten Salatköpfen

Seit 1. Januar 2018 sind die Vorschriften der Nnuen Düngeverordnung (DüV) umzusetzen. Für den landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betrieb bedeutet dies, dass vor einer Stickstoff- oder Phosphatdüngung jeder Kultur eine schriftliche Düngebedarfsermittlung zu erfolgen hat.

Dabei sind auch Nährstoff-Freisetzungen aus organischen Materialien der letzten drei Jahre zu beachten. Im dreijährigen Saldo dürfen gewisse Nährstoffobergrenzen nicht überschritten werden.
Einen Auszug aus der Düngeverordnung mit allen Basisdaten zur Berechnung (Tabellen über Nährstoffgehalte, Düngebedarfswerte, etc.) finden Sie unter:

Auszug Düngeverordnung - LfL Externer Link

Ausnahmen

Keine Düngebedarfsermittlung muss erfolgen, wenn

  • weniger als 2 Hektar (ha) Wein, Erdbeeren, Gemüse oder Hopfen bewirtschaftet werden.
  • insgesamt weniger als 15 ha landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaftet wird (nicht verknüpft mit Kriterium 1).
  • auf einem Schlag keine wesentlichen Nährstoffmengen ausgebracgt werden (weniger als 50 kg Gesamt-N je ha und Jahr oder 30 kg Phosphat je ha und Jahr,einschließlich organischer Düngung).
  • auf den Flächen Zierpflanzen, Christbaum-, Baumschul-, Rebschul-, Strauchbeeren- und Baumobstkulturen angebaut werden.
  • auf den Flächen schnellwüchsige Forstgehölze zur energetischen Nutzung angebaut werden.
  • Gemüse im Gewächshaus angebaut wird und gesteuert bewässert wird (Bodenfeuchte- oder Einstrahlungsmessung zwingend erforderlich), aber bei ungesteuerter Bewässerung Berechnung zwingend erforderlich!

Begriffserklärungen

Schlag:
Einheitlich bewirtschaftet, räumlich zusammenhängend, und mit der gleichen Pflanzenart oder Arten mit vergleichbaren Nährstoffansprüchen zur Bestellung vorgesehene Fläche
Bewirtschaftungseinheit:
Zwei oder mehr Schläge, einheitlich bewirtschaftet, mit vergleichbaren Standortverhältnissen (v. a. Böden), und mit der gleichen Pflanzenart oder Arten mit vergleichbaren Nährstoffansprüchen zur Bestellung vorgesehene Fläche. Auch gleiche Hauptfrucht im Vorjahr. Keine Größenbegrenzung

Wichtig ist:

Schläge bzw. Bewirtschaftungseinheiten, die kleiner als 0,5 ha sind können bis zu einer maximalen Größe von 2 ha zusammengefasst werden. Die Anzahl, der auf diese Art zusammengefassten Schläge/Bewirtschaftungseinheiten, ist nicht begrenzt, nur deren Gesamtfläche.
Bei Anbau verschiedener Kulturen auf zusammengefassten Flächen kann ein durchschnittlicher N-Bedarfswert gebildet werden, oder die Ermittlung für 3 Gemüsekulturen mit unterschiedlichen N-Bedarfswerten erfolgen.
Für die zusammengefassten Flächen (jeweils kleiner als 0,5 ha) gibt es keine Bedingungen hinsichtlich einheitlicher z. B. Vorfrucht, organische Düngung im Vorjahr, Bewirtschaftung oder Bodenverhältnisse.
Somit ist nur eine Düngebedarfsermittlung für alle zusammengefassten Schläge mit einer Gesamtfläche von 2 ha notwendig. (+ 1 x Nmin in der Folgekultur).
Düngebedarfsberechnung
Die Düngebedarfsermittlung kann mithilfe eines Exel-Programms erfolgen. Sie ist für alle Schläge bzw. Bewirtschaftungseinheiten durchzuführen. Beim satzweisen Anbau ist eine Düngebedarfsermittlung mindestens alle sechs Wochen durchzuführen, wobei maximal drei Düngebedarfsermittlungen pro Schlag oder Bewirtschaftungseinheit im Jahr nachzuweisen sind. Werden auf diesen Einheiten verschiedene Gemüsearten (satzweise) angebaut, erfolgt die Düngebedarfsermittlung exemplarisch für mindestens drei Arten mit unterschiedlichen Sollwerten. Für die erste Kultur kann zur Berechnung der Nmin Wert aus einer Veröffentlichung (LfL, Wochenblatt) übernommen werden. Bei allen gärtnerischen Folgekulturen/-berechnungen muss der Nmin Wert durch eine Bodenuntersuchung ermittelt werden. Die schriftliche Bedarfsberechnung muss vor der Düngung vorhanden sein, wenn >50 kg/ha N und Jahr ausgebracht wird!

Wann erfolgt eine Stickstoff-Nachlieferung, die in der Berechnung berücksichtigt werden muss?

  • Bei einem Humusgehalt von > 4% erfolgt eine Nachlieferung von 20 kg N/ha. Die Nachlieferung aus dem Boden muss nur einmal im Düngejahr berücksichtigt werden und kann ggf. auf mehrere Kulturen aufgeteilt werden.
  • Wenn in den Vorjahren organisch gedüngt wurde. 10% des im Vorjahr organisch ausgebrachten Stickstoffs muss angerechnet werden.(Berücksichtigung nur einmal im Düngejahr)
  • Durch die Pflanzenrückstände der letzen Kultur des Vorjahres. (Berücksichtigung nur einmal im Düngejahr)
  • Wenn die Vorkultur nicht als ganze Pflanze abgefahren wurde. Sind die Erntereste allerdings bei Probenahme länger als 4 Monate eingearbeitet sind Sie zu einem Großteil bereits mineralisiert. Der Abschlag kann dann um 2/3 verringert werden.

Regeln zur N-Probenahme

  • Letzte Düngung muss mindestens 3 Wochen zurückliegen
  • Probenahme nicht unmittelbar nach Bodenbearbeitung
  • Proben sofort einfrieren und gefroren transportieren. Bei Nichteinhaltung erhalten Sie sofort so hohe N-Werte, dass Sie keinen Stickstoff mehr düngen dürfen, da dies die Grundlage der Berechnung ist.
  • Vorgeschriebene Tiefe der Bodenprobe beachten

Phosphatdüngeermittlung

Für alle Schläge und Bewirtschaftungseinheiten > 1 ha und Gaben von > 30 kg P2O5/ha und Jahr muss eine Phosphatdüngeermittlung durchgeführt werden.
Eine Bodenanalyse muss dafür aus den letzten 6 Jahren vorliegen. Für die Berechnung sollte oben erwähnter Rechner verwendet werden.

Sperrfristen

  • Auf Ackerland darf nach der Ernte der letzten Hauptfrucht bis 31.01. kein Dünger (>1,5% N i. d. TM) ausgebracht werden
  • Bei Gemüseanbau, Erdbeeren, Beerenobst von 01.12. bis 31.01
  • Festmist und Kompost darf vom 15.12. bis 15.01. nicht ausgebracht werden
  • Zwischenfrüchte und Gründüngung, die bis zum 15.09. gesät wurde, dürfen bis 01.10. gedüngt werden (maximal 60 kg Gesamt N/ha)

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Thomas Schuster
AELF Augsburg
Johann-Niggl-Straße 7
86316 Friedberg
Telefon: 0821 43002-3431
Fax: 0821 43002 - 3333
E-Mail: poststelle@aelf-au.bayern.de