Schwaben und Oberbayern-West
Aktuelle Pflanzenbau- und Pflanzenschutzhinweise (Stand: 5. August 2020)

Kalkung von Ackerflächen

Für eine Kalkung von Ackerflächen bestehen nun nach der Getreideernte sehr gute Bedingungen. Vor allem die derzeitig sehr trockenen Bodenverhältnisse verhindern, dass der Boden durch die Überfahrt verdichtet wird. Zudem sind noch vor der Bodenbearbeitung die Fahrgassen erkennbar. Mit der anschließenden Stoppelbearbeitung kann der Kalk dann gut in die Krume eingemischt werden. Vor allem vor Raps oder Wintergerste ist eine Kalkgabe besonders empfehlenswert. Die Aufwandmenge richtet sich nach dem in der Bodenuntersuchung ausgewiesenen pH-Wert und der Bodenart.
Eine Kalkung bindet Säure im Boden und verbessert das Bodenleben, die Bodengare und die Humusbildung. Zwischen Bodenreaktion (pH-Wert) und Nährstoffverfügbarkeit besteht ebenfalls ein enger Zusammenhang. Der anzustrebende pH-Wert hängt von der Bodenart und dem Humusgehalt ab (Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland – Stand 2018 „Gelbes Heft“ S. 19 - 26).
Beachten Sie die unterschiedlichen Eigenschaften der Kalkarten. Muss eine Fläche zur Anhebung des pH-Wertes aufgekalkt werden, so ist auf schwereren Böden Branntkalk mit seiner schnelleren Wirkung besonders geeignet. Grundsätzlich hängt die Wirkgeschwindigkeit auch von der Mahlfeinheit ab, je feiner desto schneller kann die Wirkung einsetzen. Bei gleichem Vermahlungsgrad wirkt Ca-Oxid (CaO) schneller als Ca-Carbonat (CaCO3).
Die Gehalte (angegeben in % CaO) sind bei den Kalkdüngern unterschiedlich (z. B. Branntkalk ca. 90% CaO, Kohlensaurer Kalk ca. 50%. CaO, Schwarzkalk ca. 37% CaO, Donaukalk ca. 30 % CaO). Nebenbestandteile einiger Kalkarten können ebenfalls ausgenutzt werden. So kann z.B. durch den Einsatz von Magnesiumkalken kostengünstig die Magnesiumversorgung gesichert oder der im Schwarzkalk enthaltene Stickstoffanteil (unter 1% in der TS) für die evtl. folgende Zwischenfrucht genutzt werden.

LfL - Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland Externer Link

Krankheitssituation in Zuckerrüben

In vielen Regionen des Dienstgebiets wurden die Zuckerrübenbestände bereits aufgrund eines Befalls mit Cercospora einmal behandelt. In den meisten Fällen wurde die Schadschwelle von 5 % Befallshäufigkeit (5 von 100 Blätter befallen) für die Erstbehandlung im Juli leicht überschritten.
Der Schwellenwert ab Anfang August bzw. für eine Zweitbehandlung liegt bei 15 % Befallshäufigkeit. Das Rübenblattmonitoring der KW 32 weißt nun auf einigen Standorten Befall mit einer Häufigkeit von über 10 % aus. Die nötigen 15 % Befallshäufigkeit für eine Behandlung sind momentan noch nicht ganz erreicht.
Auf eher extensiven Anbaulagen sollte nun zum ersten Mal auf Blattkrankheiten hin kontrolliert werden, wenn noch nicht behandelt wurde. In intensiveren Lagen, in denen in der Regel bereit eine Behandlung gelaufen ist, sollte hinsichtlich der zweiten Behandlung eine konsequente Kontrolle der Bestände nun stattfinden.
Eine mögliche Behandlung kann mit leistungsstarken Fungiziden mit dem Wirkstoff Epoxiconazol wie beispielsweise 1,0 Rubric oder mit 0,6 Duett Ultra + 0,6 Dash erfolgen. Eine Zumischung eines Kontaktwirkstoffs (Notfallzulassung nach Art. 53 für die Kultur Zuckerrübe) ist dieses Jahr möglich.

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  • 2,0 kg/ha Tridex DG (750 g/kg Mancozeb). Die Maximalaufwandmenge je ha und Jahr liegt bei 6 kg/ha.
  • 1,25 kg/ha Funguran progress (537 g Kupferhydroxid/kg) in Tankmischung mit Fungizid max. 2 Anwendungen.

Erntezeitpunkt beachten – stickstoffbindende Pflanzen als ökologische Vorrangfläche

Wer stickstoffbindende Pflanzen als ÖVF anbaut, muss beachten, dass diese erst nach bestimmten Stichtagen von der Fläche entfernt werden dürfen. Die diesjährige Witterung beschleunigt die Abreife deutlich und es ist davon auszugehen, dass ein Teil der Leguminosen auf ÖVF früher als normal geerntet werden

Erntezeitpunkt beachten – stickstoffbindende Pflanzen als ökologische Vorrangfläche

Wer stickstoffbindende Pflanzen als ÖVF anbaut, muss beachten, dass diese erst nach bestimmten Stichtagen von der Fläche entfernt werden dürfen. Die diesjährige Witterung beschleunigt die Abreife deutlich und es ist davon auszugehen, dass ein Teil der Leguminosen auf ÖVF früher als normal geerntet werden
Großkörnige Leguminosen
Großkörnige Leguminosen müssen sich mindestens bis 15. August auf der Fläche befinden. Zu den großkörnigen Leguminosen gehören: Sojabohne, alle Linsenarten, Weiße Lupine, Blaue Lupine, Schmalblättrige Lupine, Gelbe Lupine, Ackerbohne, Gartenbohne, Erbse.
Eine frühere Ernte muss der Betriebsinhaber mindestens 3 Tage vor Beginn beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anzeigen. Die Meldung ist formlos möglich und muss nicht zwingend schriftlich erfolgen.
Kleinkörnige Leguminosen
Zu den kleinkörnigen Leguminosen zählen alle anderen von der EU-festgelegten stickstoffbindenden Pflanzen.
Kleinkörnige Leguminosen (z.B. Klee, Luzerne, Wicken) müssen sich mindestens bis 31. August auf der Fläche befinden. Eine Schnittnutzung (auch zur Samengewinnung) ist vorher möglich.

Beizausstattung von Rapssaatgut

Die Wirkstoffe Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin sind verboten und entsprechend gebeiztes Rapssaatgut darf nicht mehr ausgesät werden. Die reguläre Zulassung des fungiziden Wirkstoffs Thiram ist zwar zum 30.01.2019 widerrufen worden und die Aufbrauchfrist endete am 30.01.2020, allerdings wurde für das Thiramhaltige Produkt TMTD 98% Satec vom 15.07.2020 bis 11.11.2020 eine Notfallzulassung für Winterraps erteilt. Eine weitere Notfallzulassung wurde für die Beize Vibrance OSR (Wirkstoffe Fludioxonil, Metalaxyl-M, Sedaxane) vom 01.06.2020 bis 28.09.2020 erteilt. Darüber hinaus wird Saatgut angeboten, an das in anderen EU-Mitgliedsstaaten regulär zugelassene Mittel angebeizt wurden und das damit bei uns ausgesät werden darf. Hier handelt es sich beispielsweise um das Fungizid Scenic Gold (Wirkstoffe Fluopicolide und Fluoxastrobin) und als Zusatzangebot um das Insektizid Lumiposa (Wirkstoff Cyantraniliprole). Letzteres hat eine Teilwirkung auf die Larven der Kleinen Kohlfliege, die aber bei uns keine große Rolle spielt. Eine nennenswerte Wirkung auf den Rapserdfloh ist leider nicht vorhanden. Deswegen ist von einer Lumiposa-Beizung unter unseren Verhältnissen kein größerer positiver Effekt zu erwarten.

Bekämpfung von Problemunkräuter auf der Stoppel

Vor allem Wurzelunkräuter wie Disteln, Acker- und Zaunwinde sowie Ungräser wie Quecken können nach der Ernte auf der Stoppel gut bekämpft werden. Um gute Bekämpfungsvoraussetzungen zu schaffen, sollte das Stroh abgefahren werden. Somit ist gewährleistet, dass keine Pflanzen unter einer Strohdecke eine Herbizidanwendung überstehen. Für eine optimale Bekämpfung muss solange gewartet werden, bis die Unkräuter und Ungräser genügend Blattmasse gebildet haben. Dadurch kann genügend Wirkstoff von den Pflanzen aufgenommen und damit ausreichend Wirkstoff auch in die Wurzeln für eine nachhaltige Bekämpfung eingelagert werden. Die Quecke muss mindestens 4 neue Blätter gebildet haben. Bei Acker- und Zaunwinde ist bis zu einer Trieblänge von mind.30 cm zu warten. Nach der Behandlung ist zur Absicherung eine „Einwirkzeit“ bis zur Bodenbearbeitung von ca. 6 Wochen einzuplanen. Um im Herbst Zeitdruck hinsichtlich einer Wintergetreideaussaat zu vermeiden, bietet es sich an auf der behandelten Fläche eine Sommerung folgen zu lassen. Bei längerer Einwirkzeit steigt die Dauerwirkung aller relevanten Wurzelunkräuter!
Die am schwierigsten zu bekämpfenden Unkräuter sind Acker- und Zaunwinde. Hierfür gibt es bestimmte Indikationen. Bei Zaunwinde ist nur Starane XL mit einer Aufwandmenge von 1,8 l zugelassen, wobei hier auch eine Nebenwirkung auf Ackerwinde besteht. Für die Bekämpfung von Ackerwinde sind hohe Wirkstoffmengen (Glyphosat) nötig
Zu beachten bei allen glyphosathaltigen Mitteln: NG 352: Bei der Anwendung ist ein Abstand von 40 Tagen zwischen Spritzungen einzuhalten, wenn der Gesamtaufwand von zwei aufeinanderfolgenden Spritzanwendungen mit diesem und anderen glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln die Summe von 2,9 kg Glyphosat/ha übersteigt.
Im Falle anderer Unkräuter wie Ampfer, Distel oder Quecke sind die Aufwandmengen der einzelnen Präparate laut Anwendungshinweis einzusetzen.
Bei der Anwendung von Glyphosat ist eine sichere Wirkung durch gute Benetzung mit wenig Wasser (150 - 200 l/ha mit 0,25 – 0,3er Düsen), bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen unter 25 °C gegeben. Neben den reinen Glyphosat-Produkten steht gegen Problemunkräuter wie Ackerschachtelhalm und Ackerwinde auf der Stoppel das Produkt Kyleo mit 5,0 l/ha, max. 1x/Jahr (Glyphosat + 2,4 D) zu Verfügung.
Die Bekämpfung von Ausfallgetreide und Raps und einjährigen Ungräsern und Unkräutern sollte auf der Stoppel vorwiegend mechanisch erfolgen. Dieses dient auch dazu Bodenschädlinge einzudämmen.

PAMIRA – Kostenlose Rücknahme von Pflanzenschutzmittelverpackungen

Gespülte und restentleerte Verpackungen von Pflanzenschutzmitteln und Flüssigdüngern mit dem PAMIRA-Zeichen werden kostenfrei zurückgenommen!
PAMIRA (PackMittel Rücknahme Agrar).

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Aufzeichnung von Düngemaßnahmen nach neuer Düngeverordnung

Nachdem der Bundesrat bereits am 27. März 2020 dem Vorschlag der Änderungen der Düngeverordnung zugestimmt hat, ist nun die Verkündung im Bundesgesetzblatt (Nr. 20 vom 30.04.2020) erfolgt. Mit der Verkündung treten unter Anderem bei der Dokumentation Änderungen ein, die sich von den bisherigen Aufzeichnungen unterscheiden.
Düngemaßnahmen, bei denen ein stickstoff- oder phosphathaltiger Dünger in mineralischer oder organischer Form eingesetzt wurde, sind innerhalb von 2 Tagen zu dokumentieren. Dabei ist zu beachten, dass die eindeutige Bezeichnung und die Größe des Schlags / Bewirtschaftungseinheit angegeben werden. Das ausgebrachte Düngemittel und die tatsächlich ausgebrachte Menge sind ebenfalls zu erfassen. Weiterhin sind die die gegebene Menge an Gesamtstickstoff sowie an verfügbarem Stickstoff und Phosphat nieder zu schreiben.

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Fortbildungen nach Pflanzenschutz – Sachkunde – Verordnung

Wenn Sie im Besitz einer Scheckkarte nach Pflanzenschutz- Sachkunde sind, so sind Sie zum Besuch von Fortbildungen verpflichtet. Ein Fortbildungszeitraum erstreckt sich über 3 Jahre. In diesem Zeitraum sind sie verpflichtet eine Fortbildungsveranstaltung zu besuchen. Welche Zeiträume für Sie gelten, ist auf der Scheckkarte unter „Beginn erster Fortbildungszeitraum“ vermerkt. Hier wird unterschieden, ob Sie vor dem 14. Februar 2012 sachkundig waren und demnach ein sogenannter Altsachkundiger sind, oder die Sachkunde erst nach dem 14. Februar 2012 erworben haben.

Für altsachkundige Personen begann der erste Fortbildungszeitraum am 1. Januar 2013.

  • 1. Fortbildungszeitraum: 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2015
  • 2. Fortbildungszeitraum: 1. Januar 2016 bis 31. Dezember 2018
  • 3. Fortbildungszeitraum: 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2021
  • usw.
Für alle, die die Sachkunde im Pflanzenschutz nach dem 14. Februar 2012 erworben haben, beginnt der erste Dreijahreszeitraum mit dem Ausstellungsdatum des Sachkundenachweises. Auch dieses Datum ist auf der Rückseite der Scheckkarte vermerkt. In diesem Fall sind die Dreijahreszeiträume individuell gelegt:
Beispiel: Ausstellungsdatum und "Beginn erster Fortbildungszeitraum": 11. März 2015
  • 1. Fortbildungszeitraum: 11. März 2015 bis 10. März 2018
  • 2. Fortbildungszeitraum: 11. März 2018 bis 10. März 2021
  • 3. Fortbildungszeitraum: 11. März 2022 bis 10. März 2024
  • usw.

Fortbildungstermine zur Sachkunde im Pflanzenschutz

Im neuen Pflanzenschutzgesetz (in Kraft getreten am 14. Februar 2012) ist festgelegt, dass alle Sachkundigen innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren eine von der zuständigen Behörde anerkannte Fortbildung wahrnehmen müssen. Weitere Hinweise und Termine unter

Hinweise und Veranstaltungsorte - LfL Externer Link

Dokumentation der Pflanzenschutzmaßnahmen

Die Vorschriften für die Dokumentation von Pflanzenschutzmittelanwendungen wurden durch die neue EU-Verordnung über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln (Verordnung (EG) Nr. 1107/2009) moderat geändert und durch das Pflanzenschutzgesetz vom 06.02.2012 konkretisiert. Weiterhin gilt, dass jeder landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche oder gärtnerische Betrieb, unabhängig von der Betriebsgröße, verpflichtet ist, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu dokumentieren und für 3 Jahre aufzubewahren. Verantwortlich dafür ist immer der Leiter des Betriebes, auch wenn die Anwendung durch den Maschinenring bzw. Lohnunternehmer erfolgt.

Aufzuzeichnen ist:

  • der Tag der Anwendung
  • die behandelte Kultur
  • die Fläche, auf der der Pflanzenschutzmitteleinsatz erfolgt ist
  • das eingesetzte Mittel (genaue Bezeichnung – bei Packs die Namen der einzelnen Mittel)
  • die Aufwandmenge je ha und
  • der Anwender des Pflanzenschutzmittels mit seinem Vor- und Zunamen.
Regelmäßiges Aufzeichnen hilft Fehler bei der Dokumentation, die zu Beanstandungen anlässlich von Cross Compliance-Kontrollen führen können, zu vermeiden.
Die Landesanstalt für Landwirtschaft bietet unter folgender Internetseite eine vorgefertigte Tabelle für die korrekte Dokumentation der Pflanzenschutzanwendungen. Unter folgender Internetseite können Sie die Dokumentationsvorlage auf Ihren PC laden bzw. ausdrucken:

Weitere Hinweise und Dokumentationsvorlage - LfL Externer Link

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Verbundberatung

Weitere schriftliche aktuelle Hinweise über den Partner in der Verbundberatung - Pflanzenbau Mehr