Nicht vergessen: Reste messen
Acht schwäbische Kitas erfassen Lebensmittelreste

Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Schwaben hat Kindertageseinrichtungen gebeten, Tellerreste und nicht wiederverwertbare Überproduktionen zu messen.

Durchsichtiger Eimer, in dem Broschüren und Faltblätter sindZoombild vorhanden

Eimer zur Messung der Lebensmittelreste

Anlass war die bundesweite Aktionswoche "Deutschland rettet Lebensmittel" vom 22. bis 29. September 2020.
Eine Woche lang erfassten acht Einrichtungen ihre Lebensmittelabfälle. Die Vernetzungsstelle wertet die Ergebnisse aus und erarbeitet mit dem jeweiligen Team eine individuelle Strategie, um Lebensmittelmüll zu vermeiden.
Die teilnehmenden Kindertageseinrichtungen möchten zukünftig weniger Lebensmittelmüll produzieren und bereits die Kleinsten für dieses Thema sensibilisieren.

Beteiligt haben sich:

  • Kinderkrippe Pusteblume Aichach
  • Städt. Kindertagesstätte Ulmer Straße Augsburg
  • Kindergarten St. Elisabeth Gersthofen
  • Kindertagesstätte Raupe Nimmersatt Leipheim
  • Kindertagesstätte St.Stephan Mindelheim
  • Katholische Kindertagesstätte St. Albert Neu-Ulm
  • Katholische Kita Heilig Kreuz Neu-Ulm
  • Evangelische Kindertageseinrichtung Philippus Neusäß

Ergebnisse der Restemessung

  • Die teilgenommenen Einrichtungen gaben zwischen 60 und 327 Mahlzeiten in der Woche aus.
  • In einer Erhebungswoche wurden je nach Kita 2 bis 28 Liter Lebensmittelreste weggeworfen.
  • Umgerechnet waren das 0,01 bis 0,22 Liter auf die jeweiligen Essensteilnehmer.
Tellerreste und Überproduktion wurden getrennt voneinander erhoben und waren in den Einrichtungen unterschiedlich stark ausgeprägt.
Hauptgründe für große Lebensmittelreste sind Unsicherheiten über die Portionsgrößen, die Akzeptanz mancher Gerichte oder kurzfristige Abmeldungen.
Eine individuelle Betrachtung der pädagogischen Begleitung und der organisatorischen Rahmenbedingungen jeder Kita stehen nun im Fokus. Mit den Optimierungen werden langfristig Ressourcen gespart. Die besten Einrichtungen dienen dabei als Best Practice- Beispiele.

Praxis-Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelresten

  • Jede Kita isst anders. Finden Sie die "Renner" und "Penner" in Ihrer Kita heraus und geben diese an die Küche bzw. dem Caterer weiter.
  • Begleiten Sie die Einführung neuer Gerichte oder Komponenten! Seien Sie erfinderisch: das neue Gemüse besucht vorab einmal im Rohzustand die Kinder? In den Nudeln tummeln sich zum Kennenlernen ein paar Exemplare aus Vollkorn? Über den Fisch wird den Kindern am Vormittag etwas Spannendes erzählt?
  • Besprechen Sie im Team, wie Geburtstage und andere Feste begangen werden. Wird dabei regelmäßig am Vormittag so viel gegessen, dass die Kinder an diesen Tagen weniger Hunger auf das Mittagessen haben?
  • Eine ruhige Essatmosphäre und ausreichend Zeit wirken Wunder! Entwickeln Sie einen Essensablauf, der für alle angenehm ist und bei dem die ErzieherInnen das Essen gut begleiten können. Das pädagogische Personal sitzt mit den Kindern gemeinsam am Tisch und isst zumindest den pädagogischen Happen. Kinder lernen durch Vorbilder.
  • Halten Sie die Kinder beim Selberschöpfen an, sich kleine Portionen zu nehmen. Es kann gerne nachgeholt werden.
  • Stellen Sie einen Resteteller für die Tellerreste auf! Die Kinder entsorgen darauf ihre Reste. Das schafft Bewusstsein und das Küchenpersonal leitet daraus die Akzeptanz einer Mahlzeit ab.

Ihre Einrichtung bereitet die Verpflegung zu?

  • Um gut planen zu können, benötigt Ihr Küchenpersonal täglich die genaue Anzahl an Essensteilnehmern. Organisieren Sie eine zuverlässige Meldung aus den Gruppen.
    "Bevor ich mit dem Kochen beginne, gehe ich eine Runde durch die Gruppen. Dort tragen die ErzieherInnen auf einer Tafel ein, wie viele Kinder an diesem Tag vor Ort sind. Dazu hole ich mir gleich eine Rückmeldung zum Mittagessen des vorangegangenen Tages. Diese Nähe schätzen wir sehr!" (Köchin einer teilnehmenden Kita)
  • Kochen Sie nach Rezepten und halten Sie für jede Komponente die Portionsgrößen fest. Je nach Alter und Gruppe sind unterschiedliche Mengen sinnvoll. Das pädagogische Personal wird über die geplanten Portionsgrößen informiert und meldet die Menge an Überproduktion an die Küche zurück.

Sie werden von einem Caterer beliefert?

  • Besprechen Sie mit Ihrem Caterer die Meldefristen!
    "Wir kennen die Frist, wie lange im Voraus unser Caterer die Anzahl an Portionen wissen muss, damit er nicht zu viel liefert. Typische Urlaubs- oder Eingewöhnungszeiten planen wir im Voraus mit ein." (Leitung einer teilnehmenden Kita)
  • Fragen Sie Ihrem Caterer nach den berechneten Portionsgrößen! Diese sollten auf Absprache verringert werden können. In der einen Kita lieben die Kinder Salat, in der anderen sind Gemüsesuppen der Renner – Sie kennen "Ihre" Kinder und wissen, welche Gerichte einen guten Absatz finden. Geben Sie Ihrem Caterer regelmäßig Rückmeldung zu den Lebensmittelresten.

Durch sorgfältige Planung und Beobachtung verringern Sie Schritt für Schritt die Essensreste in Ihrer Einrichtung. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu gelebter Nachhaltigkeit. Denn neben Geld sparen Sie auch wertvolle Ressourcen, die bereits in Produktion und Zubereitung der Lebensmittel geflossen ist. Orientierungswerte zur Berechnung von Portionsgrößen finden Sie im DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder.

Sie kennen weitere Tipps zur "Rettung von Lebensmittel"? Gerne nehmen wir Ihre Erfahrungen zur Vermeidung von Lebensmittelresten mit auf!

Ansprechpartnerinnen

Veronique Germscheid
AELF Augsburg
Bismarckstraße 62
86391 Stadtbergen
Telefon: 0821 43002-1352
Fax: 0821 43002-1111
E-Mail: poststelle@aelf-au.bayern.de
Christina Geyer
AELF Augsburg
Bismarckstraße 62
86391 Stadtbergen
Telefon: 0821 43002-1351
Fax: 0821 43002-1111
E-Mail: poststelle@aelf-au.bayern.de