Aufruf an die Landwirte
Brutplatzmanagement für den Kiebitz

Der Kiebitz läuft im grünen GrasZoombild vorhanden

© Thomas Grüner

Im März ist wieder die Brutsaison des Kiebitz gestartet, einer stark gefährdeten und charakteristischen Vogelart auf den Niedermoorböden entlang des Lechs. Mit seinen möwenartigen Rufen macht das Männchen auf sich aufmerksam und ist weit zu hören.

Zum Schutz des stark gefährdeten Kiebitz läuft dieses Jahr wieder das Biodiversitätsprojekt mit dem Landschaftspflegeverband Aichach-Friedberg als Projektträger. In Zusammenarbeit mit Landwirten sollen angepasste Bewirtschaftungen zum Tragen kommen, um die Nester schützen und geeignete Bereiche für die Jungenaufzucht zu schaffen. Beim Gelege-Schutz lag die Mitmachquote der Landwirte in den letzten Jahren bei fast 100%. Hierdurch konnte ein großer Beitrag zum Bruterfolg geleistet werden.

Den Wiesenbrüter erkennt man an seinem auffälligen Haarschopf, dem metallisch glänzenden, schwarzen Gefieder an der Oberseite und der weißen Unterseite. Ursprünglich brütete die Art hauptsächlich auf sehr nassen Feuchtwiesen mit niedriger Vegetation. Mit deren Rückgang wich er zunehmenden auf moorige Ackerflächen aus, die bis zum Mai/Juni hin noch relativ niedrigwüchsig sind oder erst dann bestellt werden. Besonders beliebt sind Ackerflächen mit Wintermulch. Getreidefelder werden eher gemieden. Über 90% aller Brutpaare im Landkreis brüten auf Ackerflächen. Der blanke Acker als Brutplatz ist nur ein Teillebensraum des Kiebitz. Kiebitze sind Nestflüchter und werden nicht gefüttert.
Das Kiebitzküken ist am Boden kaum zu erkennen. Zoombild vorhanden

© Thomas Grüner

Sobald die Junge nach ca. 3 Wochen geschlüpft sind, sind sie auf eine ausreichende Versorgung mit Nahrung, Wasser und Deckung in ihrer Umgebung angewiesen. Kiebitze ernähren sich ausschließlich von Insekten. Kulturen, die selten gespritzt werden, Stilllegungsflächen oder Blühstreifen, die viele Insekten anlocken, sind daher optimal.
Noch vor 25 Jahren war der Kiebitz ein häufiger Vogel unserer Wiesen und Felder. Deutschlandweit ist der Bestand um 88% zurückgegangen und nimmt auch bei uns weiter drastisch ab. Die Ursachen sind vielfältig: Verlust von Lebensraum, Rückgang von Nahrungsquellen, Rückgang von Nassstellen, hohe Prädation, Gefahren landwirtschaftlicher Bodenbearbeitung, etc.

So können Landwirte den Kiebitz schützen:

  • Mithilfe des Brutplatzmanagements, das durch die Regierung von Schwaben gefördert wird, sollen die Lebensräume verbessert und die Gelege geschützt werden, so dass ausreichend flugfähige Jungtiere heranwachsen können, die den Bestand sichern.
  • Ab März ist der Wiesenbrüterberater Axel del Mestre in den Brutgebieten entlang des Lechs und des südlichen Paartals unterwegs, um Brutplatzstellen der Kiebitze festzustellen. Sollte der Kiebitz auf einer landwirtschaftlichen Fläche brüten, wird das Gelege markiert und die Bewirtschafter zeitnah kontaktiert.
  • Im Rahmen eines gemeinsamen Gesprächs werden geeignete Maßnahmen vorgestellt, die das Gelege des Vogels schützen. Möglichkeiten reichen von der Aussparung der Bewirtschaftungsbahn um den Nestbereich, über die Anlage einer kleinen Kiebitzinsel bis hin zu einer späteren Bewirtschaftung.
  • Landwirte können für die Ertragseinbußen Zahlungen erhalten. Diese werden unbürokratisch und ohne systemische Registrierung vom LPV Aichach-Friedberg abgewickelt. Die Teilnahme an den Maßnahmen ist freiwillig und kann in den jeweiligen Gebietskulissen/Projektgebieten abgeschlossen werden.
  • Neben diesen spezifischen Maßnahmen würde die Anmeldung verschiedener Stilllegungsflächen als ÖVF oder in Form vom KULAP in den Brutgebieten vom Kiebitz einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Art beitragen. So können beispielsweise Blüh-, Puffer- oder Brachestreifen als Deckung für Jung- und Altvögel sowie als Nahrungslieferant in Form von Insekten dienen.
  • Die Maßnahmen werden eng mit dem AELF abgestimmt, um Doppelförderungen und Probleme hinsichtlich Prämienzahlungen und weiterer Agrarumweltmaßnahmen der Landwirtschafts-verwaltung zu vermeiden

Bei Interesse an diesem Projekt oder Rückfragen stehen Ihnen die Wildlebensraumberaterinnen des AELF Augsburg und der Landschaftspflegeverband Aichach-Friedberg (Frau Niegl) gerne zur Verfügung.

Ansprechpersonen

Inga-Maria Kohler
AELF Augsburg
Bismarckstraße 62
86391 Stadtbergen
Telefon: 0821 43002-1221
Fax: 0821 43002-1111
E-Mail: poststelle@aelf-au.bayern.de
Birgitt Wagenpfeil
AELF Augsburg
Bismarckstraße 62
86391 Stadtbergen
Telefon: 0821 43002-1227
Fax: 0821 43002-1111
E-Mail: poststelle@aelf-au.bayern.de