Drei Frauen. Drei Wege. Eine Zukunft für die Landwirtschaft.
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© Franziska Aumer
"Sag amoi, Franzi – kann ma als Mädel eigentlich aa Landwirt werd'n?“ Diese Frage stellt ein zehnjähriges Mädchen beiläufig, als es während der Ernte zwischen Traktoren und Anhängern steht und Franziska Aumer beobachtet. Für die junge Landwirtin ist dieser Moment in Erinnerung geblieben. Nicht, weil sie lange überlegen musste – sondern weil die Frage zeigt, wie tief manche Bilder von diesem Beruf bis heute sitzen.
Natürlich können Mädchen Landwirtinnen werden
Franziska Aumer aus Altomünster ist eine von ihnen. Sie hat die Ausbildung zur Landwirtin als Zweitberuf über das Bildungsprogramm Landwirt (BiLa) am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Augsburg absolviert. Auch Magdalena Fink aus Günzburg und Phoebe Chasiotis aus Allmannshofen sind Landwirtinnen. Beide haben über drei Jahre eine duale Berufsausbildung in der Landwirtschaft durchlaufen.
Verschiedene Bildungswege führen zum Berufsabschluss
Alle drei jungen Frauen haben im Juli ihre Ausbildung abgeschlossen, aber ihre Wege könnten kaum unterschiedlicher sein. Aumer stammt von einem Betrieb mit Mutterkuhhaltung in der Oberpfalz. Nach einer Ausbildung zur Mechatronikerin studierte sie Informatik und entwickelte sogar ihre Bachelorarbeit rund um eine digitale Ackerschlagkartei. Heute arbeitet sie in Teilzeit als Informatikerin und gleichzeitig als Herdenmanagerin auf dem Milchviehbetrieb ihres Partners.
Der Hof soll in der Familie bleiben
Für Magdalena Fink war der Weg dagegen schon als Kind vorgezeichnet. „Wenn der Papa ohne mich Bulldog gefahren ist, dann war das Drama vorprogrammiert“, erzählt die 19-Jährige lachend. Zwar schnupperte sie in verschiedene Berufe hinein, angekommen sei sie aber nie. Erst wenn ein Traktor vorbeifuhr, schlug ihr Herz wieder höher. Nun möchte sie den elterlichen Betrieb – möglichst gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder – in die Zukunft führen und mit neuen Ideen wie Mutterkuhhaltung auf der Weide und Wiedervernässung von Moorflächen weiterentwickeln.
Nicht aus einer Landwirts-Familie? Kein Problem!
Phoebe Chasiotis wiederum kommt aus keiner landwirtschaftlichen Familie. Eigentlich wollte sie Drogistin werden. Doch Tiere, Natur und körperliche Arbeit fehlten ihr. Also wagte sie den Sprung ins kalte Wasser. Einen Ausbildungsbetrieb zu finden, war ohne familiäre Kontakte nicht einfach. Heute sammelt sie Erfahrungen auf unterschiedlichen Höfen, spart für eine längere Reise und träumt davon, sich irgendwann ihr eigenes kleines Anwesen mit Selbstversorgung aufzubauen.
Frauen in der Minderheit
Alle drei Landwirtinnen verbindet ihre Begeisterung für einen Beruf, der oft unterschätzt wird – und in dem Frauen noch immer in der Minderheit sind. Nur neun Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern werden eigenverantwortlich von Frauen geführt. Gleichzeitig steigt ihr Anteil bei der Hofnachfolge langsam an und viele bringen dabei neue Ideen in die Betriebe ein – beispielsweise durch Direktvermarktung oder zusätzliche Betriebszweige.
Als Frau in der Landwirtschaft muss man sich beweisen
Im Arbeitsalltag erleben die drei jungen Frauen immer wieder Situationen, in denen ihr Geschlecht eine Rolle spielt. Aumer erinnert sich an Bemerkungen wie: „Du kennst di ja eh ned aus.“ Besonders beim Umgang mit Maschinen habe sie das Gefühl gehabt, sich zunächst beweisen zu müssen. Ähnliche Erfahrungen macht auch Magdalena Fink. Phoebe Chasiotis kennt ebenfalls vereinzelte sexistische Bemerkungen. Sie betont aber, dass diese nicht die Regel seien.
Trotzdem möchte keine von ihnen die Landwirtschaft auf eine Geschlechterfrage reduzieren. Entscheidend seien Wissen, Engagement und Teamarbeit. „Was man nicht im Arm hat, muss man im Kopf haben“, sagt Franziska Aumer. Körperkraft allein entscheide längst nicht mehr über gute Landwirtschaft. Gerade im Stall sehen alle drei ihre Stärken. Geduld, Ruhe und Einfühlungsvermögen seien Eigenschaften, die ihnen im Umgang mit den Tieren helfen würden. Es gehe nicht darum, ob Männer oder Frauen bessere Landwirte seien – sondern darum, die eigenen Fähigkeiten einzubringen.
Hof und Care-Arbeit müssen fair verteilt werden
Auch im Hinblick auf Gleichberechtigung, wünschen sie sich vor allem eines: faire Rahmenbedingungen. Aumer spricht die oft ungleiche Aufgabenverteilung auf Familienbetrieben an. Haushalt, Büro, Stall und im Ernstfall auch noch die Feldarbeit – all das könne nicht selbst-verständlich an einer Person hängen bleiben. Landwirtschaft funktioniere dann am besten, wenn beide Partner auf Augenhöhe zusammenarbeiteten.
Vielleicht ist genau das die Antwort auf die Frage des kleinen Mädchens während der Ernte. Ja, Mädchen können Landwirtinnen werden. Vor allem aber können sie ihren eigenen Weg gehen – ganz gleich, ob er über Informatik, den elterlichen Hof oder einen Umweg in die weite Welt der Landwirtschaft führt.

