Aktuelle Hinweise zum Kartoffelanbau (Stand: 14. April 2021)

Kartoffelbeizung

Heuer stehen für die Beizung in der Legemaschine nur noch eingeschränkt Mittel zur Verfügung. Bei der Beizung mit der ULV-Technik (z.B. Mafex-/Mantisgeräte) sollte folgendes beachtet werden.
  • Erfolgt die Beizung mit dem stationären ULV-Gerät ist darauf zu achten, dass keine Überbeizung erfolgt, bzw. das Beizmittel nicht in den Augen zusammenläuft. Dieses kann zu Auflaufschäden führen
  • Mischungen mit z.B. Dünger oder Kupferpräparaten sind kritischer anzusehen wg. möglicher Auflaufschäden
  • Abgekeimtes Pflanzgut ist besonders empfindlich
  • Mittelwahl am Erreger, an Vorbelastungen des Pflanzgut bzw. der Sorten- oder Knollenanfälligkeit ausrichten
  • Verschiedene biologische Kartoffelbeizmittel können in der Legemaschine eingesetzt werden

Alternativ zur Beizung in der Legemaschine oder ULV Technik ist eine Furchenbeizung mit zugelassenen Azoxystrobilurin-Mitteln (z.B. Ortiva, Sinstar) möglich. Regelaufwandmenge 3 l/ha, diese sollte jedoch je nach Bodengüte angepasst werden.

Mit der Furchenbehandlung wird im Boden ein Behandlungskorridor um die Mutterknolle geschaffen. Die Knolle darf von dem Beizmittel nicht getroffen werden. Dieses gilt für alle Aufwandmengen. Dazu die Düsen am Legegerät richtig einstellen! Verteilung von 1/3 der Menge vor und 2/3 hinter der Knollenablage in den Erdstrom beim Abdecken der Pflanzknollen. Ausbringung mit speziellen Flachstrahldüsen in 150 - 200 l/ha Wasser. Gebrauchsanweisung und Hinweise beachten! Sortenreagieren unterschiedlich im Auflauf. Es kann zu Auflaufverzögerungen kommen. Wenn diese Technik zum erstmalig eingesetzt wird, vorher die Sorteninformationen einholen und die Aufwandmenge entsprechen anpassen. Auf sorptionsstarken Stand-orten die höhere Aufwandmenge, je nach Sorte 2 bzw. 3 l/ha, wählen. Auf sehr leichten Böden, unter 35 BP, 1 – 2 l/ha je nach Sorte.

Als grobe Info kann gelten, Sorten, welche im Auflaufverhalten empfindlich oder verzögert sind bzw. keimbruchempfindlichen Augenanlagen besitzen, wie z.B. Allians, Belana, Laura oder Sissi eher die reduzierte Aufwandmenge wählen. Bei Unsicherheit beim Züchter nachfragen. Mit einer Reduzierung der Aufwandmenge sind Abstriche bei der Wirkung zu machen. Mit Verringerung der Auf-wandmenge wird die Wirkung schwächer. Keine Anwendung von Ortiva, Sinstar u.ä. auf drainierten Flächen. Auf derselben Fläche im folgenden Kalenderjahr keine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Azoxystrobin. Bei der Beizung immer einen unbehandelten Kontrollstreifen anlegen

Versuchsergebnisse -LfL Externer Link

Pflanzkartoffel

Abkeimen bzw. Keimbruch reduziert die Vitalität der Knollen, wobei die Sorten darauf sehr unterschiedlich reagieren. Den Kartoffeln ausreichend Zeit zur Wundheilung geben. Deshalb Pflanzkartoffel über längere Zeit nicht zu warm lagern. Blaufleckiges Pflanzgut ebenfalls sorgsam behandeln, wobei die Sorten darauf ebenfalls sehr unterschiedlich reagieren. Stärkesorten macht dieses weniger aus, während evtl. stärkearme Speisesorten sehr empfindlich mit Minderauflauf reagieren können. Zudem hängt es davon ab, in welches Umfeld die Kartoffeln gelegt werden. Die Kartoffeln sollten vor dem Legen in Keimstimmung gebracht werden.

Diese Aktivierung der Knollen unterstützt die weitere Entwicklung der Kartoffeln im Damm und fördert einen gleichmäßigen Aufgang des Bestandes.
Big Bags und Säcke sind schlechte Lagerbehälter, da ein Luftaustausch kaum stattfindet und so Fäulnisbakterien optimale Bedingungen vorfinden. Mit Erwina oder Fusarium vorbelastetes Pflanzgut möglichst wenig bewegen. Mit jedem Arbeitsgang werden die Krankheitserreger über weitere Knollen verteilt. Selbst geringe Belastungen können bei nass kalter Witterung nach dem Legen zu erheblichen Auflaufproblemen führen.
Mit dem warmstellten der Partie, können Blaufleckigkeit aber auch z.B. Fusarium oder Fäulnis besser bonitiert werden. Dry Core ist kein Mangel i.S. der Pflanzkartoffel-VO. Druckstellen mit darunter liegender nasser schwarzer Fäulnis sind kritisch zu beurteilen.

Bilden sich mehrere stecknadelkopfgroße Keime hat die Knolle das optimale Keimstimmung erreicht. Wachsen nur mehr wenige oder schwache Keime bzw. schrumpeln die Knollen sehr stark, könnte dieses ein Hinweis sein, dass die Partie evtl. schon öfters abgekeimt worden ist. Bei nur einem Keim (apikaler Keim), ist die Knolle noch nicht in der gewünschten Verfassung. Wenn dieser gebrochen wird, die Knolle veranlagt aus mehreren Augen zu Keimen.

Unkrautbekämpfung

Der Einsatzzeitpunkt für eine optimale Wirkung muss sich nach Boden und Witterung (Bodenfeuchte, abgesetzte Dämme) richten und - soweit es die Mittel erlauben - möglichst nahe am Auflauftermin liegen. Bodenherbizide brauchen für eine gute Wirkung entsprechend Feuchtigkeit. In Kartoffeln treten zunehmend triazinresistente Unkräuter wie Gänsefuß oder Schwarzer Nachtschatten auf, bei diesen ist die Wirksamkeit von Metribuzin (Arcade, Artist, Citation, Metric, Mistral, Sencor Liquid), nicht ausreichend.

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Die Anwendungsbedingungen/Auflagen der Mittel mit Prosulfocarb und Clomazone unbedingt beachten wegen Abtrift und Verfrachtung.

Weiter beachten:

  • Für Bodenherbizide müssen die Dämme ausreichend abgesetzt und einen stabilen Dammaufbau haben
  • Bandur, Centium 36 CS oder Novitron haben den geringsten Feuchteanspruch, benötigen einen feinkrümeligen Damm zur Ausbildung eines geschlossenen Spritzfilms. Boxer und Artist haben die größten Ansprüche an die Bodenfeuchtigkeit, fallen bei Trockenheit entsprechend ab. Metric und Proman liegen dazwischen
  • Auch bei Trockenheit nicht auf den Vorauflauf verzichten. Unter solchen Umständen Spritzfolgen einplanen
  • Einsatzzeiten beachten: Artist, Bandur, Centium, Metric und Novirtron müssen spätestens 7 - 5 Tage vor dem Auflauf der Kartoffeln ausgebracht werden. Boxer und Proman können bis kurz vor dem Durchstoßen eingesetzt werden. Arcade, Citation, Mistral, Sencor Liq. sind im Vor- bzw. Nachauflauf möglich
  • Die Metribuzinempfindlichkeit der Sorten beachten.
  • Bei größeren Unkräutern oder Trockenheit bzw. humosen Böden hat sich der Zusatz von Quickdown (0,3 - 0,4 l/ha Quickdown + 0,75 - 1,0 l/ha Toil) zur Herbizidmaßnahme bewährt. Quickdown bekämpft größere Unkräuter auch bei Trockenheit sicherer, hat aber keine Bodenwirkung. Einsatz ist bis kurz vor dem Durchstoßen der Kartoffeln. Gute Benetzung und Lichtunterstützung (ca. 5 Stunden Sonne). Aufgelaufene triazinresistente Unkräuter werden miterfasst.
  • Bei Nachauflaufanwendungen, insbesondere mit Graminiziden, ist auf die Wartezeit zu achten (besonders bei Frühkartoffeln)! Diese kann je nach Mittel bis zu 90 Tage betragen
  • Bei einer rein mechanischen Unkrautregulierung muss darauf geachtet werden, dass die Wurzeln und Stolonen nicht beschädigt werden
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