Aktuelle Hinweise zum Kartoffelanbau (Stand: 03. Juli 2020)

Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans)

Die wechselhafte Witterung hat sich in den letzten Tagen weiter fortgesetzt. Die Schläge waren z.T. nach den noch höheren Niederschlägen einige Tage nicht befahrbar. Zudem regnete es lokal sehr unterschiedlich, dieses zeigt sich auch in den Spritzabständen der Folgebehandlung nach dem witterungsgestützte Prognosemodell Simphyt 3. Der Krautfäuledruck ist mittel bis sehr hoch. In den Beständen ist. z.T. Krautfäule zufinden.
Für die Folgebehandlungen können jetzt dort, wo das Krautwachstum weitgehen abgeschlossen ist, auch teilsystemische Fungizide z.B. Acrobat Plus WG, Areva MZ, Banjo Forte, Carial Flex, Curzate MWG, Nautile WP, Presi-dium, Plexus, Reboot, Revus, Revus-Ortiva Pack, Revus Top, Tanos, Valbon, Valis M, Video eingesetzt werden.
In Kartoffelbeständen mit noch starkem Krautwachstum sollten weiterhin systemische Fungizide bevorzugt werden. Tritt auf dem Kartoffelschlag Krautfäule auf, ist die Anwendung der Fungizide Proxanil Extra, Ranman Top-Proxanil Pack oder Rival Duo Pack zu empfehlen. Bei sporulierendem Krautfäulebefall ist eine Stoppspritzung aus cymoxanilhaltigen und fluazinamhaltigen Fungiziden zu empfehlen.
Soweit späten Sorten Alternaria anfälligen Sorten dies in der Mittelwahl bzw. Kombination berücksichtigen.
Bei diesen Sorten mancozeb-, oder difenocoazohaltige Mittel bzw. Kombinationen in die Spritzfolge einbauen

Kartoffelkäfer

Teilweise sind Kartoffelkäfer zu finden. Pyrethroide (wie z.B. Bulldock, Decis forte, Karate Zeon, usw.) wirken kaum noch gegen Kartoffelkäfer. Hohe Temperaturen reduzieren die Wirkung zusätzlich.
Gegen Kartoffelkäfer bevorzugt z.B. Coragen (B4) 60 ml/ha, oder Benevia (B1) 125 ml/ha verwenden. Sollten Blattläuse und Kartoffelkäfer bekämpft werden z.B. Biscaya 0,3 l/ha (Aufbrauch 2020), Danjiri
125 ml/ha, Mospilan SG 125 g/ha. In Mischungen mit Azolen werden diese Mittel mit B1 bzw. B2 eingestuft.
Die Bekämpfung der Kartoffelkäfer sollte erfolgen wenn die Masse der Larven geschlüpft sind und sich im jungen Larvenstadium (L1, L2) befinden. Schadschwelle 15 Junglarven/Pflanze

Mehr - LfL Externer Link

Krautregulierung

Die schnellste Möglichkeit das Kartoffelkraut zu entfernen und dass die Knollen schalenfest sind ist nach Meinung in der Praxis der Krautschläger. Jedoch bleibt die Gefahr von Knollenbeschädigungen, Fahrspuren usw. sehr hoch. Nach dem Krautschlagen muss zumeist noch eine chemische Variante erfolgen.
Sollte die Krautregulierung nur chemisch erfolgen, um die vorhergenannten Probleme zu vermeiden, sind die Wir-kung und die Einsatzbedingungen der Mittel zwingend zu beachten. Vorteile haben Bestände, welche sich schon in der Abreife befinden. Die Wirkungsgeschwindigkeit der chemischen Variante ist langsamer, aber evtl. schonender.
Die zur Verfügung stehenden Mittel Quickdown und Shark brauchen für eine gute Wirkung hohe Lichteinstrahlung. Nach der Anwendung sollte noch mindestens 5 Stunden Sonneneinstrahlung vorhanden sein, deshalb die Mittel am besten am Morgen anwenden. Hohe Lichtintensität vorteilhaft, dieses bei unsicher Witterung berücksichtigen.
Die Wirkungsgeschwindigkeit ist gegenüber dem langjährig bekannten, nicht mehr zugelassen Mittel Reglone langsamer. Die komplette Wirkung ist oft erst nach 5 – 7 Tagen nach dem Einsatz sichtbar. Danach sollte dann über eine evtl. notwendige Nachbehandlung entscheiden werden. Die Sorte und der Abreifegrad spielen eine wich-tige Rolle. Kaum zu regulieren dürften sehr grüne, späte Sorten bzw. Bestände sein.
Zusätze sollen nach Aussagen verschiedener Firmen die Wirkung verbessern. Ob dieses Zutrifft konnte bisher kaum überprüft werden. Als Zusätze können evtl. gängige Haftmittel verwendet werden. Auch soll Ranman Top ähnliches bewirken.
Kommt Krautschlagen zum Einsatz muss unbedingt eine Reststängellänge von 15 – 20 cm vorhanden sein, damit nachfolgende chemische Mittel wirken können. Wiederaustrieb wird zukünftig nicht mehr zu bekämpfen sein. In der Pflanzkartoffelvermehrung kann dieses zu hohen Virusinfektionen führen.
Wasseraufwandmenge und Zulassung der Mittel beachten. Evtl. haben Doppelflachstrahldüsen Vorteile.

Mögliche Strategien:

  • Vorlage: 0,8 l/ha Quickdown + 2,0 l/ha Toil, nach 5 – 7 Tagen diese Maßnahme wiederholen wenn notwendig, Abschluss nach weiteren 5 – 7 Tagen mit 1,0 l/ha Shark.
  • Oder bei abreifenden Beständen reichen evtl. Quickdown mit Nachbehandlung Shark aus
  • Oder mit mechanischer Maßnahme: Krautschlagen, gefolgt nach ca. 2 Tagen von 0,8 l/ha Quickdown + 2,0 l/ha Toil wenn noch Blätter vorhanden sind, bzw. 1,0 l/ha Shark bei nur Stängel. Wenn notwendig dann nochmals nachbehandeln. Bei sehr grünen Beständen oder stressiger Witterung vor der mechanischen Krautregulierung evtl. den Bestand mit einer reduzierten Menge von Quickdown + Toil vorbehandeln um die „Abreife“ einzuleiten und so Nabelendnekrosen zu vermeiden.

Notfallzulassungen

Die Mittel Olie-H und Promanal HP, Wirkstoff Paraffinöl haben eine hat eine Notfallzulassung nach Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 zur Abwehr von Blattläusen als Virusvektoren in Kartoffeln zur Pflanzguterzeugung erhalten.
Gegen Spinnmilben in Kartoffeln haben die Mittel Apollo 50 SC (0,4 l/ha) und Milbeknock (1,0 l/ha) eine Notfallzulassung für jeweils 10.000 ha erhalten. Die Anwendungshinweise sind unbedingt zu beachten.
Die Spinnmilben befinden sich hauptsächlich auf der Blattunterseite, so dass sie kaum von den Mitteln getroffen werden. Dies ist ein Problem bei der Anwendung.
Gegen Kartoffelkäfer im ökologischen Anbau haben die Mittel Novodor FC (für 5.400 ha) bzw. NeemAzal-T/S (für 1.000 ha) die Notfallzulassungen nach Artikel 53 erhalten.

Zulassungen für Notfallsituationen - Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Externer Link

Reinigungsrichtlinie zur Reduzierung von Chlorpropham (CIPC) in Kartoffellagerhallen

Die REKA Rheinland hat die Reinigungsrichtlinie zur Reduzierung von Chlorpropham (CIPC) in Kartoffellagerhallen, einschließlich Lagereinrichtung auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Bei diesem Dokument handelt es sich um die deutsche Übersetzung der "Cleaning guidelines for reducing chlorpropham (CIPC) from potato stores and equipment". Die englische Version stellt die Originalfassung dar. Die deutsche Version wurde für alle deutschsprachigen Länder auf Grundlage des englischen Originals erarbeitet.

PDF abrufbar auf der Webseite von REKA Externer Link

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