Aktuelle Hinweise zum Kartoffelanbau (Stand: 23. Juli 2019)

Krautfäule und anderes

Die Krautfäuledruck ist aktuell zumeist sehr niedrig bis mittel, daraus ergeben sich Spritzabstände von 15 – 10 Tagen. In abreifenden Beständen ohne Krautfäulebefall reichen leistungsstarke Kontaktmittel (fluazinamhaltigen Fungizide 0,4 l/ha oder Ranman Top 0,5 l/ha) aus. Weiter in alternariaanfälligen späten Stärke- und Verarbeitungssorten beim Pflanzenschutz diese Krankheit mit behandeln. Hitze und Gewitter fördern die Alternaria. In anfälligen späten Sorten (z. Agria, Datriest, Euroflora) macozebhaltige Mittel einsetzen bzw. zumischen bzw. Revus Top oder Narita einsetzen.
Die extreme Witterung fördert auch weiter Kartoffelkrankheiten wie z.B. Rhizoctonia, Colletotrichum oder Verticillium. Es sind zunehmend, wg. der Trockenheit Mangelkrankheiten wie z.B. Magnesium-, Manganmangel usw. zu sehen. Eine Spurenelementspritzung ist in den abreifenden Beständen nicht mehr lohnend.
Bestände mit schwarzbeinigen Pflanzen, müssen nach dem Roden sehr schnell trocken sein und nach Möglichkeit schnellstens vermarktet werden. Solche (warmen) Partien niemals länger unbelüftet und warm stehen lassen! Bei Einlagerung innerhalb 10 Std trocken! Knolllentemperaturen über 25°C führen auch zu höheren Knollenbeschädigungen. Auch ziehen sich bei der Trockenheit die tierischen Schädlinge in die Knollen zurück.
Erste Spinnmilbenbefälle sind in stark anfälligen Sorten, z.B. Saprodi aber auch in andern Sorten zu sehen. In stark anfälligen Sorten sterben die Blätter schnell ab, nicht mit z.B. Alternaira oder Nährstoffmangel verwechseln. Der Befall beginnt meist vom Rand und breitet sich schnell aus. Auf der Blattunterseite sind die sehr kleinen Milben (< 0,5 mm, Lupe) und Gespinst zu finden. Trockene und heiße Witterung fördert den Befall. Direkte Bekämpfungsmaßnahmen gibt es zurzeit nicht. Befallenes Kartoffelkraut nach der Ernte tief einpflügen.

Weitere Hinweise unter LfL - Krautfäule der Kartoffel (Folgebehandlung) Externer Link

Krautregulierung – Erfahrungen sammeln für 2020

Heuer kann letztmalig der Wirkstoff Deiquat (z.B. Reglone, Mission 200 SL) eingesetzt werden. Sie sollten deshalb auch Alternativen selbst prüfen, sei es Krautschlagen oder die anderen Krautregulierungsmittel, oder sich bei den angelegten Versuchen informieren. Jedoch ist bei diesen Mitteln die Voraussetzung, dass der Bestand schon in der Abreife ist, oder erst nach Krautschlagen, sonst wirken die Mittel schlecht oder nicht. Zudem erlaubt es aktuell die Zulassung nicht, dass diese Mittel in grünen Beständen eingesetzt werden. Auch mit Krautschlagen kann in sehr grünen Beständen nicht allein gearbeitet werden, denn hier es zu Wiederaustrieb kommen, was besonders in Pflanzkartoffelanbau zu großen Problemen führen kann. Außerdem können mit der mechanischen Krautabtötung Krankheitserreger, wie z.B. Erwina verbreitet werden, und in den Fahrspuren kann es zu Qualitätsproblemen kommen. Beim mechanischen Krautschlagen ist auf eine Restlänge der Stängel von 15 – 20 cm zu achten um daran evtl. noch andere Maßnahmen (z.B. chemisch) anzuschließen.
In sehr späten Sorten und bei der Pflanzkartoffelvermehrung dürfte es die größten Probleme geben.
Wenn die Kartoffelqualität (z.B. grüne, verletzte) nicht im Vordergrund steht, wie z.B. Stärkekartoffeln welche sofort verarbeitet werden, könnte die mechanische Krautregulierung eine Alternative sein. Bei Flächen mit Querdammhäufler, ist ein exakter Einsatz der Krautschleger kaum möglich.
Ein möglicher Weg um bessere Wirkungen mit Alternativen (chemisch und krautschlagen) zu bekommen ist die Stickstoffdüngung zu reduzieren und damit früherem Beginn der Abreife, denn wie es aktuell aussieht kann zukünftig eine erfolgreiche Krautregulierung nur noch in abreifenden Beständen optimal gestaltet wer-den. Insbesondere bei Pflanzkartoffeln wird die Stickstoffdüngung und der Legeabstand noch mehr an die Sorten angepasst werden müssen.

Versuchsergebnisse LfL Externer Link

Zwischenfrucht - nicht alles passt vor Kartoffel

Wird eine Zwischenfrucht vor Kartoffel angebaut, muss sich diese auch nach der Kartoffelverwertung ausrichten. Die richtige Auswahl ist vor Speise- bzw. Verarbeitungskartoffel wichtiger, als bei Stärkekartoffel, weil hier auch Auswirkungen auf die Qualität beachtet werden müssen. Die Greeningauflagen, bezüglich Mischungen Ansaat, Düngung und Umbruch sind nicht unbedingt förderlich für die Kartoffelqualität. Deshalb wenn möglich, diese Auflagen im Betrieb anderweitig lösen. Fruchtarten, welche Trichodoride-Arten fördern sollten vor Speise- bzw. Wirtschaftskartoffeln nicht angebaut werden, um die Gefahr der der virösen Eisenfleckigkeit nicht noch zu verstärken. Deshalb wäre der alleinige Anbau von Ölrettich am sinnvollsten ohne die Greenigauflagen. Auch in Mischungen sollte Ölrettich vor Kartoffeln die Grundlage bilden. Als Zumischpartner können Rauhafer, oder Ramtillkraut zugemischt werden, wenn die Gefahr von Eisenfleckigket bei den Kartoffeln nicht besteht. Ansonsten sind noch Alexandriner Klee, Wicken, Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen u.a. möglich.
Ölrettich soll außerdem den Rhizoctoniabefall bzw. den Pockenbesatz senken. Senf oder Phacelia fördern die Eisenfleckigkeit. Deshalb vor Speise- und Verarbeitungskartoffeln unbedingt darauf verzichten.
Beim Ölrettich können im Kartoffelbau alle Sorten angebaut werden. Die Nematodenresistenz einzelner Sorten bezieht sich auf Anfälligkeit für Rübennematoden. Von Kartoffelzystennematoden wird keine Sorte befallen und bringt auch keine Reduktion des Befalls. In Fruchtfolgen mit Kartoffel- und Zuckerrübenanbau die teureren multiresistenten Sorten, wie z.B. Contra, Defender, Reset verwenden, diese haben Vorteile gegenüber freilebenden Nematoden wie (Paratrochodoride und Trichodoride), oder Wandernde Wurzelnematoden (Pratylenchen).
Werden vermehrt tierische Schädlinge (Schnecken, Drahtwürmer) erwartet, vor der Zwischenfruchtaussaat mehrmals eine intensive Bodenbearbeitung durchführen.
In den „Roten Gebieten“ kann ab 2020 keine N-Düngung mehr zu den Zwischenfrüchten ausgebacht wer-den. Deshalb sollten sie, soweit sie davon betroffen sind schon heuer dieses testen, denn ob Ölrettich ohne Stickstoffdüngung so stark wächst, dass eine optimale Unkrautunterdrückung erfolgt.

Mehr LfL - Zwischenfrüchte Externer Link

Keimhemmung mit CIPC (Chlorpropham) – Zulassung endet

Die Europäische Kommission hat entschieden, die Genehmigung für Chlorpropham als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln nicht zu erneuern. In Deutschland enden die Zulassungen aller Pflanzenschutzmittel mit Chlorpropham am 31. Juli 2019. Es gelten für CIPC-haltigen Produkte folgende Fristen:
  • 31. Januar 2020 - Ende der Abverkaufsfrist
  • 8. Oktober 2020 - Ende der Aufbrauchfrist
Damit steht der Wirkstoff nur noch für die diesjährige Lagerung zur Verfügung.
Als Landwirt sollten sie sich überlegen, bzw. mit dem Abnehmer sprechen, ob der Einsatz in diesem Winter noch sinnvoll ist, wenn man an evtl. Rückstandshöchstgehalte denkt.
Informieren sie sich rechtzeitig über die Alternativen im Lager: 1,4-Sight (1,4-Dimethylnaphthalin) und Biox – M (Grüne Minze-Öl), bzw. Mittel mit Maleinsäurehydrazid (z. B. Frazor, Itcan, HimalayaSG, usw.) zur Behandlung im Feld.

Mehr - BVL Externer Link

Blattlauszuflug

Nach dem starken Zuflug geht er jetzt zurück.

Aktuelle Auszählungen

Kartoffelkäfer

Der optimale Bekämpfungszeitpunkt ist wenn die Masse der Junglarven geschlüpft und sich im L1- bis L2-Stadium befindet.
Schadensschwelle 15 Junglarven pro Kartoffelpflanze in Befallsnestern.
Pyrethroide (wie z.B. Bulldock, Decis forte, Karate Zeon, Lamdex Forte, usw.) wirken auf Grund von Resistenzen nicht mehr ausreichend.
Bevorzug Coragen 60 ml/ha, oder Biscaya 0,3 l/ha, Danjiri 125 ml/ha, Mospilan SG 125 g/ha (nicht bie-nengefährlich als Einzelmittel) bzw. Benevia 125 ml/ha (B1), SpinTor 480 SC 50 ml/ha (B1) verwenden. Sollen zusätzlich noch Blattläuse mit erfasst werden, Biscaya 0,3 l/ha Danjiri 250 ml/ha oder Mospilan SG 250g/ha verwenden. Unbedingt auf den Bienenschutz achten.
Grundsätzlich Wirkstoffwechsel zwischen Neonicotinoiden (Biscaya, Danjiri, Mospilan SG) und Benevia bzw. Coragen nach jeder Behandlung, auch über die Jahre hinweg vornehmen, um weiteren Resistenzen vorzubeugen.
Im biologischen Anbau ist Novodor FC 5 l/ha, NeemAzal T/S 2,5 l/ha, oder Spruzit Neu 8 l/ha möglich

Weite Hinweise - LfL Externer Link

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