Aktuelle Hinweise zum Kartoffelanbau (Stand: 5. August 2020)

Krautfäule

Die Behandlungen weiter konsequent fortführen! Je nach Standort werden je nach Niederschlag Spritzab-stände von 6 bis 14 Tage empfohlen. Am besten eignet sich hierfür ein sporenabtötendes Präparat. Fungizide mit einer guten sporoziden Wirkung sind fluazinam- (z.B. Shirlan, Terminus, Nando 500 SC,u.ä.) oder amisulbromhaltige Mittel (z.B.Moonlight, Shaktis) und das den Wirkstoff Cyazofamid enthaltende RanmanTop. Weiter in alternariaanfälligen späten Sorten die Alternariawirkung der Mittel bei der Auswahl und den Spritzabständen mit einbeziehen und entsprechende Mittel wählen. Entscheidend ist, dass die Krautfäulebehandlungen bis zum vollständigen Absterben der Bestände konsequent weitergeführt werden. Damit wird ein bestmöglicher Schutz der Tochterknollen vor Braunfäulebefall gewährleistet

Schwarzbeinigkeit

SchwarzbeinigkeitZoombild vorhanden

Schwarzbeinigkeit

Die Witterung fördert Kartoffelkrankheiten wie z.B. Erwinia-Schwarzbeinigkeit, Rhizoctonia, Colletotrichum oder Verticillium.
Bestände mit schwarzbeinigen Pflanzen (s. Bild), müssen nach dem Roden sehr schnell trocken sein und nach Möglichkeit schnellstens vermarktet werden. Die Erwina-Schwarzbeinigkeit hat sich in einigen Beständen in den vergangen Wochen, bedingt durch die Niederschläge verbunden mit den optimalen Temperaturen für die Krankheit rasant ausgebereitet. Knollen von befallenen Stauden halten kaum und haben zudem geringe Stärkegehalte. Solche (warmen) Partien niemals länger unbelüftet und warm stehen lassen! Bei Einlagerung innerhalb 10 Std trocken! Werden diese Partien oder Teilschläge eingelagert, muss damit gerechnet werden, dass diese evtl. trotz Abtrocknung nicht halten. Eine vorzeitige Auslagerung ist dann nötig. Deshalb die Ernte von befallenen Schlägen niemals mit „gesunden“ zusammen lagern.

Spinnmilben

Erste Schläge sind vom Rand aus mit den Spinnmilben befallen. Insbesondere anfällige Sorten, wie z.B. Saprodi, Euroking usw. kontrollieren. Eine Bekämpfung muss unbedingt bei Befallsbeginn durchgeführt werden. Die Spinnmilben halten sich hauptsächlich auf der Blattunterseite auf. Dieses ist ein Hauptproblem bei der Bekämpfung und sie sind durch ihre Größe (0,5 mm) kaum zu erkennen. Zuerst erscheinen Sprenkelungen auf der Blattober- und Unterseite. Insbesondre die Symptome auf der Blattunterseite nicht Alternaria verwechseln. Als Mittel stehen durch Notfallzulassung Milbeknock 1,0 l/ha und Apollo 50 SC 0,4 l/ha zur Verfügung. Beide Mittel dürfen lt. Notfallzulassung nur je 1x in der Vegetation angewendet werden. Bienenschutz beachten!
Da die Spinnmilben hauptsächlich auf der Blattunterseite sitzen, werden sie kaum getroffen. Deshalb eher höhere Wassermenge/ha wählen und langsam fahren, Spritzbrühe darf aber nicht abtropfen. Luftunterstütze Spritzen könnten von Vorteil sein. Ob „Dropleg-Düsen“ hier besser wirken, dazu liegen keine Erfahrungen vor. Auch wie die Wirkung insgesamt ist, ob die Kombination beider Mittel Vorteile hat, dazu gibt es keine Versuchserfahrung. Rand- bzw. Teilflächenbehandlungen könnten evtl. ausreichen, bei entsprechender Breite, wenn alle im Bestand vorhanden Spinnmilben behandelt werden.
Bei ersten größeren Symptomen muss von einer verminderten Wirkung ausgegangen werden.

Bilder zu Spinmilbenbefall Externer Link

Milbeknock
Milbeknock, wirkt translaminar, d.h. es durchdringt das Blatt und erfasst alle beweglichen Stadien. Kombination mit Ranman Top soll die Wirkung verbessern. Für alle anderen Kombinationen liegt keine Freigabe vor. Von Mehrfachmischungen, sowie Kombination mit fluazinamhaltigen Präparaten oder Haftmitteln wird abgeraten. Anwendung am besten am Morgen, mit einer guten Blattbenetzung.
Apollo 50 SC
Apollo 50 SC wirkt als Kontaktmittel hauptsächlich auf die Milbeneier und kleine Larven. Einsatz eher als Folgebehandlung. Zusatz von einem „Spreiter“ bei Soloanwendung sinnvoll. Behandlung am besten morgens.

Krautregulierung

Die schnellste Möglichkeit das Kartoffelkraut zu entfernen und dass die Knollen schalenfest sind ist nach Meinung in der Praxis der Krautschläger. Jedoch bleibt die Gefahr von Knollenbeschädigungen, Fahrspuren usw. sehr hoch. Nach dem Krautschlagen muss zumeist noch eine chemische Variante erfolgen.
Sollte die Krautregulierung nur chemisch erfolgen, um die vorhergenannten Probleme zu vermeiden, sind die Wirkung und die Einsatzbedingungen der Mittel zwingend zu beachten. Vorteile haben Bestände, welche sich schon in der Abreife befinden. Die Wirkungsgeschwindigkeit der chemischen Variante ist langsamer, aber evtl. schonender.
Die zur Verfügung stehenden Mittel Quickdown und Shark brauchen für eine gute Wirkung hohe Lichteinstrahlung. Nach der Anwendung sollte noch mindestens 5 Stunden Sonneneinstrahlung vorhanden sein, deshalb die Mittel am besten am Morgen anwenden. Hohe Lichtintensität vorteilhaft, dieses bei unsicher Witterung berücksichtigen.
Die Wirkungsgeschwindigkeit ist gegenüber dem langjährig bekannten, nicht mehr zugelassen Mittel Reglone langsamer. Die komplette Wirkung ist oft erst nach 5 – 7 Tagen nach dem Einsatz sichtbar. Danach sollte dann über eine evtl. notwendige Nachbehandlung entscheiden werden. Die Sorte und der Abreifegrad spielen eine wich-tige Rolle. Kaum zu regulieren dürften sehr grüne, späte Sorten bzw. Bestände sein.
Zusätze sollen nach Aussagen verschiedener Firmen die Wirkung verbessern. Ob dieses Zutrifft konnte bisher kaum überprüft werden. Als Zusätze können evtl. gängige Haftmittel verwendet werden. Auch soll Ranman Top ähnliches bewirken.
Kommt Krautschlagen zum Einsatz muss unbedingt eine Reststängellänge von 15 – 20 cm vorhanden sein, damit nachfolgende chemische Mittel wirken können. Wiederaustrieb wird zukünftig nicht mehr zu bekämpfen sein. In der Pflanzkartoffelvermehrung kann dieses zu hohen Virusinfektionen führen.
Wasseraufwandmenge und Zulassung der Mittel beachten. Evtl. haben Doppelflachstrahldüsen Vorteile.

Mögliche Strategien:

  • Vorlage: 0,8 l/ha Quickdown + 2,0 l/ha Toil, nach 5 – 7 Tagen diese Maßnahme wiederholen wenn notwendig, Abschluss nach weiteren 5 – 7 Tagen mit 1,0 l/ha Shark.
  • Oder bei abreifenden Beständen reichen evtl. Quickdown mit Nachbehandlung Shark aus
  • Oder mit mechanischer Maßnahme: Krautschlagen, gefolgt nach ca. 2 Tagen von 0,8 l/ha Quickdown + 2,0 l/ha Toil wenn noch Blätter vorhanden sind, bzw. 1,0 l/ha Shark bei nur Stängel. Wenn notwendig dann nochmals nachbehandeln. Bei sehr grünen Beständen oder stressiger Witterung vor der mechanischen Krautregulierung evtl. den Bestand mit einer reduzierten Menge von Quickdown + Toil vorbehandeln um die „Abreife“ einzuleiten und so Nabelendnekrosen zu vermeiden.

Krautregulierung - Ernte

Die Stärkegehalte sind heuer z.T. sehr hoch. Mit dem Stärkegehalt steigt auch die Gefahr von Beschädigungen, Schlagverletzungen, Blaufleckigkeit und Qualitätsmängel. Deshalb solche Partien sehr schonend roden und auf geringe Fallstufen achten. Laufende Kontrolle von gefährdeten Partien. Dazu Probe nach 1-2 Tagen bonitieren.
Mit Erwinia-Schwarzbeinigkeit befallene Flächen trocken und beschädigungsarm roden. Die Kartoffeln müssen im Lager schnell trocken sein (< 10 Stunden). Wärme und Feuchtigkeit begünstigt die Ausbreitung der Bakterien. Deshalb solche Partien nie länger unbelüftet stehen lassen. Ähnliches gilt auch für fusariumanfällige Sorten. Hier eine gute Wundheilung anstreben und möglichst mechanische Belastungen z.B. vorsortieren, umlagern, usw. vermeiden.
Die Krautregulierung bei Stress (sehr hohe Temperaturen) mit Krautschläger oder chemisch mit Quickdown bzw. Shark kann zu Nabelendnekrosen führen kann. In mit Erwina befallen Schlägen keine mechanische Krautregulierung durchführen, damit die Bakterien nicht mit der mechanischen Maßnahme verbreitet werden

Pflanzenschutz - jetzt schon an das nächste Jahr denken

Stechapfelpflanzen im KartoffelfeldZoombild vorhanden

Stechapfelpflanzen im Kartoffelfeld

Auch heuer gibt es wieder sehr viele Problemunkräuter (Distel, Winden, Beifuß usw.) in den Kartoffelfeldern zu sehen, welche in Kartoffeln nicht bekämpft werden können. Zum Teil wachsen die Winden über die Kartoffelbestände. Die Winden sind auch im abgestorbenen Zustand, oder nach der Krautregulierung noch sehr zäh. Dieses führt zu Problemen beim Roden. Einsatz nach der Getreideernte gegen Zaunwinde mit z.B. 1,8 l/ha Starane XL, oder 5 l/ha Kyleo. Einsatz bei mindesten 50 cm Trieblänge. Gegen Distel z.B. glyphosathaltigen Produkte bzw. Kyleo. Queckenbekämpfung nicht vernachlässigen! Auch hier Stoppelbehandlung am besten.
Andere Problemunkräuter, z.B. Stechapfel (s. Bild), jetzt vor der Samenreife unbedingt aus den Feldern entfernen. In Kartoffel keine Bekämpfung möglich
Achtung: Zählt die nachgebaute Zwischenfrucht für das Greening, Pflanzenschutzauflagen (Einsatzverbot) beachten.

Notfallzulassungen

Die Mittel Olie-H und Promanal HP, Wirkstoff Paraffinöl haben eine hat eine Notfallzulassung nach Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 zur Abwehr von Blattläusen als Virusvektoren in Kartoffeln zur Pflanzguterzeugung erhalten.
Gegen Spinnmilben in Kartoffeln haben die Mittel Apollo 50 SC (0,4 l/ha) und Milbeknock (1,0 l/ha) eine Notfallzulassung für jeweils 10.000 ha erhalten. Die Anwendungshinweise sind unbedingt zu beachten.
Die Spinnmilben befinden sich hauptsächlich auf der Blattunterseite, so dass sie kaum von den Mitteln getroffen werden. Dies ist ein Problem bei der Anwendung.
Gegen Kartoffelkäfer im ökologischen Anbau haben die Mittel Novodor FC (für 5.400 ha) bzw. NeemAzal-T/S (für 1.000 ha) die Notfallzulassungen nach Artikel 53 erhalten.

Zulassungen für Notfallsituationen - Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Externer Link

Reinigungsrichtlinie zur Reduzierung von Chlorpropham (CIPC) in Kartoffellagerhallen

Die REKA Rheinland hat die Reinigungsrichtlinie zur Reduzierung von Chlorpropham (CIPC) in Kartoffellagerhallen, einschließlich Lagereinrichtung auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Bei diesem Dokument handelt es sich um die deutsche Übersetzung der "Cleaning guidelines for reducing chlorpropham (CIPC) from potato stores and equipment". Die englische Version stellt die Originalfassung dar. Die deutsche Version wurde für alle deutschsprachigen Länder auf Grundlage des englischen Originals erarbeitet.

PDF abrufbar auf der Webseite von REKA Externer Link

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