Landwirtschaftsschule Friedberg, Abteilung Hauswirtschaft
Studierende auf Lehrfahrt in der Region

Friedberger Studierende auf dem Betrieb Nefzger

Worauf muss der Landwirt auf dem Feld und im Stall achten? Welche Chancen und Herausforderungen bietet die Direktvermarktung? Welche betriebswirtschaftlichen Überlegungen müssen dabei angestellt werden?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Studierenden der Landwirtschaftsschule Friedberg, Abteilung Hauswirtschaft, im Mai 2022.

Besuch bei Körner und Augustin in Friedberg
Stephan Körner, Metzgermeister und Landwirt führte die Studierenden durch den geräumigen Schweinestall. "Unsere Schweine liegen uns sehr am Herzen", so Körner. Für eine ausgezeichnete Fleischqualität im eigenen Hofladen ist ein geräumiger, lichtdurchfluteter Stall mit viel Stroheinstreu und großem Luftraum wichtig. Jedes Schwein hat ausreichend Platz und kann sich frei und ungehindert bewegen. Die Schweine erhalten nur selbstangebautes Futter (Weizen, Gerste, Mais und Sojabohnen). Je nach Alter und Nährstoffbedarf wird die Futtermischung angepasst.
Wohlfühlstall

Kooperationspartner Martin Augustin zeigte den Studierenden seinen Mutterkuhstall. "Die Pinzgauer sind eine edle Rasse mit kastanienbrauner Färbung und exzellenter Fleischqualität", erklärt Augustin. Die Rinder wohnen in einem Wohlfühlstall mit viel Stroheinstreu und Außenklima. Den Sommer verbringen die Kühe auf den Weiden rund um Friedberg.

Geschlossener Kreislauf

Ganz nach dem Grundsatz der klaren Nachvollziehbarkeit vom Anbau des Futters bis zum fertigen Ladenprodukt werden die Tiere direkt an der Hofstelle geschlachtet. Die Schweinehälften und Rinderviertel werden in der Metzgerei zu verkaufsfertigen Stücken und Wurstwaren verarbeitet.

Die Zerlegung einer Schweinehälfte beeindruckte die Studierenden. Zum Konzept des geschlossenen Kreislaufs gehört auch die Energieerzeugung. Daher hat Martin Augustin eine 75kWel Biogasanlage gebaut. Hier werden Mist und Futterreste vergoren. Das dabei entstehende Methangas wird im Blockheizkraftwerk verbrannt und der erzeugte Strom in das Netz eingespeist. Mit der Abwärme werden die eigenen Gebäude beheizt und Getreide, Heu und Hackschnitzel getrocknet.

Personen stehen im Halbkreis im Außenbereich eines Gebäudes
Zu Gast am Pfeifferhof
"Unser Familienbetrieb war schon immer auf Direktvermarktung ausgelegt", so Studierende Elisabeth Nefzger. Die Herstellung von hochwertigen Produkten steht am Pfeifferhof im Mittelpunkt. Aus diesem Grund haben sie auch keinen Selbstbedienungsladen. Ziel ist es, die Landwirtschaft und Produktherstellung der Bevölkerung wieder näher zu bringen. Der wichtigste Grundsatz der Familie Breumair: Keine Anonymität gegenüber Kunden. Vor allem Oma Theresia Breumair liegt der Kundenkontakt am Herzen: "Wir pflegen unseren Austausch mit Kunden und stehen gerne informativ sowie beratend zur Seite."
Konventioneller Betrieb

Der Pfeifferhof ist seit jeher ein konventioneller Betrieb. Trotzdem kann es den Tieren auch auf einem solchen Betrieb gut gehen. Die Breumairs schätzen ihre Tiere, versorgen sie mit hochwertigem, genfreiem Futtermittel und achten auf deren Gesundheit und Wohlbefinden. Mais- und Grassilage sowie Getreide werden selbst erzeugt. Der Milchviehbetrieb ist seit 1999 mit einem Laufstall ausgestattet. Seit 2019 hat die Familie einen Rindermaststall auf Stroh. Hier haben die Tiere genügend Platz und viel frische Luft. Die Familie erfüllt somit die Voraussetzungen der Haltungsstufe 3. "Meiner Meinung nach liebt ein Landwirt seine Tiere und will für diese nur das Beste – das ist Leidenschaft und Tierwohl in einem", so Nefzger.

Hofladen

Die Fleisch- und Wurstwaren werden von den eigenen Tieren hergestellt. Brot, Kuchen, Marmelade, eingelegtes Obst und Gemüse werden von Oma und Mama Angelika Breumair-Nefzger selbst hergestellt. Im Hofladen setzt die Familie auf regionale Zusammenarbeit mit anderen Betrieben. So werden Produkte, wie Nudeln, Eier, Mehl, Obst und Kartoffeln zugekauft.

Mehrere Generationen

Die Großeltern Theresia und Sebastian Breumair haben den Hof übernommen und die Direktvermarktung als eine der Ersten im Landkreis aufgebaut. Theresia Breumair hat eine Ausbildung zur staatl. geprüften Hauswirtschafterin abgelegt. Zudem hat sie viele Seminare zur Direktvermarktung absolviert. Opa Sebastian Breumair ist Landwirt und hat sich viele Teile der Direktvermarktung selbst beigebracht. So waren die beiden schon früh Ansprechpartner für Ämter und andere Landwirte, die ebenfalls mit der Direktvermarktung beginnen wollten.

Der Hofladen wurde im Jahr 2010 an Sohn Alexander Breumair (Landwirt) übergeben. Dieser führt zusammen mit seiner Frau Angelika Breumair-Nefzger (Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft) den Betrieb. Sohn Johannes Nefzger ist Landwirtschaftsmeister und wird den Betrieb übernehmen. "Bei uns helfen alle zusammen. Sei es im Laden, auf dem Feld oder auch im Haus. Jeder leistet seinen Teil zur Arbeit. Wir sind ein richtiger 3-Generationen-Familienbetrieb", so Elisabeth Nefzger.

Persönlichkeit stärken

Sie möchte in die Fußstapfen ihrer Oma und Mama steigen und selbst einen Teil zur Direktvermarktung beitragen. "Mir ist eine gute Qualität der selbsthergestellten Produkte wichtig. Auch auf die Aufklärung über bestimmte landwirtschaftliche sowie hauswirtschaftliche Themen lege ich Wert, da dies in der aktuellen Gesellschaft nicht mehr richtig geschätzt wird." Aus diesem Grund hat sich Elisabeth Nefzger für die Hauswirtschaftsschule in Teilzeit entschieden. "Die Schule stärkt unsere Persönlichkeit. Auch für meinen privaten Haushalt ist die Schule von Vorteil", meint Nefzger und lacht.