Pflanzenbau
Wintergerste: Sortenberatung 2025/2026

Das SG 2.3 P Landnutzung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg informiert über Versuchsergebnisse zur Wintergerste, bei zwei- sowie mehrzeilige Sorten.
Der Wintergerstenanbau in Bayern ist im Jahr 2024/25 mit ca. 190.000 ha im Vergleich zu 2023/24 um ca. 31.000 ha deutlich eingeschränkt worden. Der Einbruch der Anbaufläche ist sicherlich auch auf die schwierigen Aussaatverhältnisse Ende September bzw. Anfang Oktober 2024 zurückzuführen.
Zweizeiler oder Mehrzeiler?
Langjährig gesehen erreichen die mehrzeiligen Sorten im Dienstgebiet ein höheres Ertragsniveau als die besten Zweizeiler. In den letzten Jahren konnten die Mehrzeiler im Vergleich zu den zweizeiligen Sorten ihre Überlegenheit überwiegend ausspielen.
Auch in ungünstigeren Jahren, wie 2021 und 2024 war der Ertragsvorteil der mehrzeiligen Sorten vorhanden. Der überregionale Ertragsvorteil im Jahr 2025 im tertiären Hügelland ist demgegenüber nicht gegeben. Erstmalig, nach längerer Zeit hatten im Hügelland letztes Jahr die Zweizeiler gegenüber den Mehrzeilern einen Mehrertrag von 3,7 dt/ha in Stufe 2.
Hybridgersten
Hybridgersten versprechen eine höhere Vitalität und sollen daher unter schwierigen Anbaubedingungen oder bei später Aussaat Vorteile gegenüber Liniensorten haben. Saatstärke und Düngung müssen entsprechend angepasst werden, um das Ertragspotential auszuschöpfen. In den bayerischen Landessortenversuchen erreichen die Erträge der Hybridsorten der neueren Generation mehrjährig überdurchschnittliche Ergebnisse. Jedoch können sich die Hybridsorten von den leistungsstärksten Linien nicht abheben. Die Hybridgersten sind in den Ertragstabellen mit (Hy) gekennzeichnet.
Neuzulassungen erreichen in den Versuchen hohe Erträge. Jedoch werden die ertragsstärksten Linien nicht signifikant übertroffen. Nach derzeitigem Kenntnisstand können Hybridgersten sich in Kriterien wie Krankheitstoleranz, Kornausbildung und Standfestigkeit von Liniensorten nicht bzw. noch nicht positiv abheben.
Zweizeilige Wintergerste - Sortenberatung Aussaat 2025
- Tertiärhügelland / Gäu (22): Almut, Arthene, KWS Andris, KWS Tardis
begrenzte Empfehlung: KWS Donau (W- Braugerste) - Jura /Hügelland (23): Almut, Arthene, KWS Andris, KWS Tardis
begrenzte Empfehlung: Bonnovi*, KWS Donau (W- Braugerste)
Mehrzeilige Wintergerste – Sortenberatung Aussaat 2025
- Tertiärhügelland / Gäu (22): Esprit, Integral**, RGT Mela
- Jura /Hügelland (23): Esprit, Integral**), RGT Mela
* Resistenz gegenüber BaYMV-1, BaYMV-2 und BaMMV, sowie Resistenz gegenüber BYDV
** Resistenz gegenüber BaYMV-1 und BaMMV, sowie Resistenz gegenüber BYDV
Sortenbeschreibung
Almut (IG Pflanzenzucht)
Eine Sorte mit mehrjährig überregional mittleren bis überdurchschnittlichen Korn- und Marktwarenerträgen. Im Jahr 2025, wie auch in den Jahren zuvor wurden gute Ergebnisse auch in Stufe 1 erreicht. Dies ist auch der guten Standfestigkeit und guten bis sehr guten Strohstabilität zu verdanken. Almut passt deshalb gut auf Betriebe mit hohem Stickstoffnachlieferungspotenzial aus langjähriger organischer Düngung. Aufgrund der mittleren Kornqualität sollte Almut auf dem eigenen Betrieb verfüttert werden. Die Gelbmosaikvirusresistenz bezieht sich auf den Typ 1. Bei der Blattgesundheit zeigt die Sorte außer bei Ramularia keine Schwächen.
Arthene (IG Pflanzenzucht)
Eine gegen Gelbmosaikvirus Typ 1 resistente Wintergerste mit mehrjährig überdurchschnittlichen Korn- und Marktwarenerträgen. Die Ertragsergebnisse aus 2025 sind im tertiären Hügelland vor allem in Stufe 1 überdurchschnittlich ausgefallen. Hierfür ist die die sehr gute Strohstabilität und Standfestigkeit mitverantwortlich. Arthene bietet sich deshalb Flächen mit Stickstoffnachlieferung aus langjährig organischer Düngung. Die gute bis sehr gute Kornausbildung, sowie die daraus resultierenden hohen Marktwarenerträge zeichnen die Sorte aus und bieten guten Vermarktungsmöglichkeiten. Aufgrund der Anfälligkeit gegenüber Mehltau ist in im zeitigen Frühjahr eine Bestandskontrolle nötig.
KWS Andris (KWS Lochow) – NEU
Eine gegen Gelbmosaikvirus Typ 1 resistente Wintergerste. Sie erzielt mehrjährig auf den Standorten im tertiären Hügelland überdurchschnittliche Korn- und Marktwarenerträge. Im Jahr 2025 konnten gute Ertragsergebnisse erzielt werden. KWS Andris zeichnet sich durch eine überdurchschnittlich gute Standfestigkeit und Strohstabilität aus. Die Toleranz gegenüber Krankheiten ist durchwegs auf einem überdurchschnittlichen Niveau zu sehen. Das hohe bis sehr hohe Tausendkorngewicht und hohe Hektolitergewicht des Ernteguts ergeben einen hohen bis sehr hohen Marktwarenertrag.
KWS Tardis (KWS Lochow):
KWS Tardis erreichte 2025 auf den LSV-Standorten im tertiären Hügelland leicht überdurchschnittliche Ertragsergebnisse in Stufe 2. Die guten Ergebnisse der Vorjahre wurden somit bestätigt. Die Kornqualitäten, wie auch die Kornausbildung sind eher unterdurchschnittlich eingestuft, daher passt die Sorte gut zur Verfütterung im eigenen Betrieb. Die Blattgesundheit der Sorte liegt im Vergleich der anderen Sorten auf mittlerem Niveau. Hierbei sollte auf Mehltau, Netzflecken und Zwergrost geachtet werden. Die Sorte weist eine gute Standfestigkeit und eine gute Strohstabilität auf, daher ist KWS Tardis gut für viehhaltende Betriebe geeignet. Die Abreife ist mittel, bei einem mittleren Ährenschieben. Gelbmosaikvirus Typ 1 resistent.
Begrenzte Empfehlung
Bonnovi (Limagrain) – NEU / Empfehlung im Jura
Eine gegen Gelbmosaikvirus Typ 1 und 2 resistente Wintergerste, die darüber hinaus auch noch die Resistenz gegenüber dem milden Gelbmosaikvirus aufweist. Bonnovi ist eine Möglichkeit in Befallsregionen, auf denen Sorten, die nur mit einer Typ1-Resistenz optischen Mosaikvirusbefall zeichnen, erfolgreichen Wintergerstenanbau durchzuführen. Begrenzte Empfehlung für den Anbau auf wissentlichen Befallsflächen. Darüber hinaus ist Bonnovi auch mit dem Resistenzgen yd2 ausgestattet, welches gegen Gerstengelbverzwergungsvirus (von Blattläusen übertragen) wirksam ist. Die Sorte gehört in den Kriterien Standfestigkeit und Strohstabilität zu den mittel eingestuften Sorten unter den Zweizeilern. Bei der Blattgesundheit gehört Bonnovi zu den tendenziell anfälligeren Sorten. Bonnovi erreichte in den letzten zwei Jahren lediglich unterdurchschnittliche Korn- und Marktwarenerträge. Mittlere Reife und frühes Ährenschieben.
Winterbraugerste
KWS Donau (KWS Lochow)
KWS Donau erreicht als Winterbraugerste im Vergleich zum Sortimentsmittel der zweizeiligen Wintergersten unterdurchschnittliche Erträge. Die Sorte besitzt eine überdurchschnittliche Standfestigkeit und Strohstabilität. Die Blattgesundheit von KWS Donau ist im Vergleich zu den Sorten im LSV auf einem durchschnittlichen Niveau. KWS Donau liegt bei den Mälzungs- und Braueigenschaften auf gutem Niveau, was die Verarbeitung in Mälzereien und Brauereien gerechtfertigt. Die Nachfrage nach Winterbraugerste ist durchausvorhanden, jedoch ist der Anbau nur mit vorhergehender Absprache des Abnehmers sinnvoll.
Sortenbeschreibung
Esprit (DSV)
Eine gelbmosaikresistente Sorte, die sich durch mehrjährig überdurchschnittliche und stabile Korn- und Marktwarenerträge auszeichnet. 2025 wurde dies auf den LSV-Standorten im tertiären Hügelland bestätigt. Esprit liegt in der Standfestigkeit und Strohstabilität für eine mehrzeilige Sorte im Durchschnitt aller geprüften Sorten. Die Resistenzen gegenüber Blattkrankheiten sind überdurchschnittlich. Aufgrund der unterdurchschnittlichen Einstufung gegenüber Zwergrost ist vor allem im zeitigen Frühjahr eine Bestandskontrolle nötig.
Integral (Secobra) – NEU
Eine gegenüber Typ1 gelbmosaikresistente Sorte, die mehrjährig überdurchschnittlichen Korn- und Marktwarenerträge liefert. Auch im Jahr 2025 konnten überregional überdurchschnittliche Ertragsergebnisse erzielt werden. Darüber hinaus ist Integral mit einer Resistenz gegenüber dem Gerstengelbverzwergungsvirus ausgestattet. Die mittellange Sorte besitzt eine überdurchschnittliche Standfestigkeit und Strohstabilität. Dies ist im Anbau von Vorteil und sichert die Erträge zusätzlich ab. Die Sorte ist besonders anfällig gegenüber Mehltau, was eine zeitige Bestandskontrolle im Frühjahr erfordert. Die anderen Krankheitsresistenzen sind mittel eingestuft. Das Hektolitergewicht ist für eine mehrzeilige Sorte gut, was gute Marktwarenanteile im Erntegut hervorruft. Dennoch ist die Sorte als Mehrzeiler primär für den Einsatz im eigenen Betrieb heranzuziehen.
RGT Mela (RAGT) – NEU
Eine Typ1-gelbmosaikresistente Sorte, die mehrjährig mittlere bis überdurchschnittliche Korn- und Marktwarenerträge liefert. Im Jahr 2025 konnten bayernweit gute Ertragsergebnisse erzielt werden. Auf die lange Pflanze, gepaart mit einer durchschnittlichen Standfestigkeit und unterdurchschnittlichen Strohstabilität ist zwingend zu achten. Dies ist mit dem angepassten Einsatz von Wachstumsreglern zu begegnen. Die Sorte weist eine mittlere bis leicht überdurchschnittliche Pflanzengesundheit aus, wobei die Anfälligkeit gegenüber Netzflecken beachtet werden soll. Die Kombination aus Tausendkorngewicht und Hektolitergewicht ist für eine mehrzeilige Sorte gut.

