Winterroggen: Versuchsergebnisse, Sortenberatung

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg informiert über Versuchsergebnisse zu Winterroggen

Versuchsergebnisse und Sortenberatung 2025/26

Die Schwerpunkte des Roggenanbaues im Dienstgebiet Schwaben/ Oberbayern West liegen in den Landkreisen Neuburg-Schro¬ben¬hausen (ca. 1.650 ha) und Pfaffenhofen a. d. Ilm (ca. 1.240 ha). Im gesamten Regierungsbezirk Schwaben besitzt der Roggenanbau demgegenüber mit ca. 1.520 ha nur eine geringe Bedeutung. Seit dem Jahr 2012 in dem in Bayern die Rekordanbaufläche von über 50.000 ha im Anbau stand, hat sich die Anbaufläche in den folgenden Jahren sukzessive auf etwa 32.000 ha im Jahr 2017 verringert. Nach einer Renaissance des Anbaus, ist nun zum Erntejahr 2025 die Fläche deutlich um etwa 7.300 ha auf ca. 31.850 ha (2024: 38.100 ha) eingeschränkt worden, was den Tiefstand von 2017 markiert. Die Erträge beim Roggen lagen in Bayern laut der besonderen Ernteermittlung 2025 bei durchschnittlich 54 dt/ha. Somit lag die Ernte 2025 ca. 3 dt/ha über dem 5-jährigen Mittelwert.
Der im Vorjahresvergleich gute Ertrag spiegelt die besseren Anbaubedingungen und einen geringen Anteil an lagernden Beständen wider.

Sortenwahl

Die Hybridsorten sind den Populationssorten in Bayern im Ertrag weit überlegen. Im fünfjährigen Mittel ist in den Landessortenversuchen ein um ca. 15 bis 20 % höherer Ertrag ermittelt worden. Damit sind Hybridroggensorten in der Regel trotz doppelt so hoher Saatgutkosten den Populationssorten in vielen Fällen auch wirtschaftlich überlegen. Die Züchtung von Roggensorten hat sich mittlerweile zu großen Teilen auf Hybridsorten konzentriert. Der Ertragsabstand zu Populationssorten hat sich dadurch in den letzten Jahren noch zusätzlich vergrößert. Die Anfälligkeit gegenüber Mutterkornbefall wird bei den Hybridsorten züchterisch stark bearbeitet. Erfolge sind dahingehend bei Einzelsorten erkennbar, die in der Einstufung der Mutterkornresistenz das Niveau der Populationssorten erreichen.
Der Anbau von Populationssorten ist nach wie vor auf extrem leichten und flachgründigen Böden mit unsicherer Wasserversorgung anzuraten. Hier sind die Populationssorten ertragsstabiler als die Hybriden.
In Anlehnung an die deutschlandweite Vermehrungsfläche der größten Sorten, stehen auf ca. 80 % der bewirtschafteten Roggenflächen Hybriden im Anbau. Dementsprechend sind Populationssorten auf ca. 20 % der Gesamtfläche vertreten. In ökologisch wirtschaftenden Betrieben ist das Sortenspektrum durchaus anders aufgebaut. Es ist davon auszugehen, dass der Großteil des Populationsroggens ökologisch bewirtschaftet wird.

Hybrid-Sorten

KWS Serafino EU (KWS-Lochow)
KWS Serafino EU erreichte überregional im Jahr 2025, wie auch mehrjährig im LSV mittlere Erträge. Damit gehört die Sorte nicht zu den Ertragsstarken Hybriden. Die Resistenzen gegenüber Blattkrankheiten sind im Vergleich zum LSV-Sortiment gut eingestuft. Die unterdurchschnittliche Resistenz gegenüber Braunrost ist zu beachten. Die Einstufung hinsichtlich Mutterkornresistenz erreicht einen guten Wert. Die mittlere Wuchshöhe und die nur unterdurchschnittliche Standfestigkeit erfordern gezielte Maßnahmen mit Wachstumsregler. Bei der Sorte ist die hohe bis sehr hohe Fallzahl positiv zu erwähnen, was in ungünstigen Jahren ein Vorteil sein kann. Das TKG von KWS Serafino EU ist unterdurchschnittlich eingestuft.
KWS Tutor (KWS-Lochow)
KWS Tutor erreicht in der mehrjährigen und überregionalen Verrechnung des Landessortenversuchs Erträge auf unterdurchschnittlichem Niveau. Daher gehört die Sorte unter den Hybriden nicht zu den ertragsstarken Sorten. Die gute Einstufung hinsichtlich der Mutterkornresistenz und dem daraus resultierenden geringen Mutterkornbesatz im Erntegut spricht für KWS Tutor. Die Standfestigkeit von KWS Tutor ist unterdurchschnittlich bewertet, obwohl die Sorte eine eher kürzere Pflanzenlänge aufweist. Die Resistenzen gegenüber Rhynchosporium und Mehltau sind überdurchschnittlich. Bei Braunrost ist die Einstufung lediglich unterdurchschnittlich. In Bezug auf die lediglich überdurchschnittliche Höhe der Fallzahl gehört KWS Tutor nicht zu den besten Hybriden im Landessortenversuch.

Populationssorte

SU Bebop (Saaten Union)
SU Bebop erreichte in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen geprüften Populationssorten durchwegs gute, wie auch stabile Erträge im LSV. Im Jahr 2025 wurde mit SU Bebop lediglich eine Populationssorte geprüft. Aufgrund der unterdurchschnittlichen Standfestigkeit in Kombination mit einem langen Pflanzenwuchs sollte bei der Sorte ein gezielter Wachstumsreglereinsatz durchgeführt werden. Die Blattgesundheit bewegt sich auf einem, im Vergleich zu den anderen Sorten im LSV, guten Niveau. Die Anfälligkeit gegenüber Mutterkorn ist bei SU Bebop, wie es bei guten Populationssorten zu erwarten ist, als gering eingestuft. Anbaueignung auf leichte Böden mit geringer Ertragserwartung.

Empfehlung von Roggen zur Erzeugung von Ganzpflanzensilage (GPS)

KWS Progas,

eine extra für die GPS-Nutzung gezüchtete Sorte, liefert mehrjährig mit 102 % ansprechende TM-Erträge. Die TS-Gehalte liegen über dem Versuchsmittel. Die längerstrohige Sorte, die zur Körnernutzung nicht empfohlen wird, hat eine hohe Lagerneigung. Deutlich unterdurchschnittlich schnitt sie in den Versuchen ab, wenn sie früh und stark ins Lager ging, wie z. B. 2023 in Frankendorf (Relativertrag 88 %).

Astranos

wurde in Dänemark als Körnerroggen zugelassen. Er ist somit wie alle Sorten, die in anderen EU-Mitgliedsstaaten zugelassen wurden, in Deutschland vertriebsfähig. Die Sorte weist mit einem Relativertrag von 104 % ein gutes TM-Ergebnis auf. In den acht Versuchen, in denen Lager auftrat, zeigte sich die Sorte wenig lageranfällig. Wie gut sie sich zur Körnernutzung eignet, wurde in den bayerischen Körner-LSV nicht geprüft.

SU Perspectiv

bringt mit 103 % ein überdurchschnittliches Ergebnis. Er gehört zu den etwas kürzeren, standfesteren Roggen im Sortiment. Aufgrund der hohen Kornerträge eignet er sich auch zur Körnererzeugung. Seine Widerstands-fähigkeit gegen Mutterkorn, die bei der GPS-Nutzung keine Rolle spielt, ist nur mittel.

Miranos,

eine in Dänemark als Körnerroggen zugelassene Sorte, bringt in den GPS-Versuchen einen Relativertrag von 102 %. Positiv fällt die gute Standfestigkeit auf. Da die schwächer bestockende Sorte nicht in den süddeutschen Körnerroggen-LSV stand, liegen keine Druschergebnisse vor.

Versuchsergebnisse, Sortenbeschreibung, Hinweise zur Produktionstechnik