Aktuelle Hinweise zum Kartoffelanbau (Stand: 31. Juli 2023)

Krautfäule und Alternaria

Die Entwicklung der Bestände ist weiterhin sehr unterschiedlich. Von abreifenden bis zu noch blühenden Schlägen ist alles zu finden. Dementsprechend ist auch der aktuelle Fungizideinsatz zu planen. Mit dem Niederschlag in den vergangenen Tagen ist der Infektionsdruck bei Krautfäule angestiegen. Jedoch örtlich auch sehr schwankend, je nach der Niederschlagsmenge von mittel bis sehr hoch. Deshalb liegen die Spritzabstände zwischen 7 und 12 Tagen. Mit den zusätzlich erwarteten Regen in den nächsten Tagen wird er weiter ansteigen. Für die Behandlungen deshalb gut leistungsfähige und regenfeste Fungizide verwenden. In noch grünen wachsenden Beständen teilsystemische Mittel wie z.B. Carial Flex (0,6 kg/ha), Revus (0,6 l/ha) oder Plexus (0,6 kg/ha). In abreifenden Beständen auch regenfeste Kontaktmittel wie z.B. Ranman Top (0,5 l/ha). In Beständen, welche evtl. nach höheren Niederschlägen einige Tage nicht mehr befahren werden können, sollte auch der Zusatz zu den teilsystemischen Mitteln von z.B. fluazinamhaltigen (z.B. Carneol, Shirlan, usw. oder auch Ranman Top überlegt werden. Auch sollten mandipropamidhaltige Mittel (z.B. Carial Flex, Revus) wegen möglicher Resistenzgefahr nicht zu häufig nacheinander eingesetzt weder, auf Wirkstoffwechsel achten.
Durch die Gewitterniederschläge ist auch der Infektionsdruck mit Alternaria angestiegen. Vor diesem Hin-tergrund in alternariaanfälligen Sorten die regenfesteren Alternaria-Mittel wie z.B. Belanty (1,25 l/ha) oder Propulse (0,5 l/ha) zumischen. Etwas schwächer in der Alternariawirkung ist Narita (0,5 l/ha) als Mischpart-ner eingestuft oder auch Revus Top (0,6 l/ha). Zur Vorbeuge gegen Resistenz niemals Propulse zwei Mal hintereinander anwenden.
Durch die Trockenheit und Sonneneinstrahlung sind vielfach Blattnekrosen in den Beständen zu finden. Zudem gibt es in Y-Virus empfindliche Sorten vielfach Neuinfektionen. Diese Symptome nicht mit Alternaria verwechseln.
Unter der gegenwärtigen Situation sollte alles unternommen werden, um die Bestände möglichst lange vor Krankheiten zu schützen, damit sie nicht vorzeitig absterben. Dieses gilt bis zur Krautregulierung.

Durchtrieb – Einsatz von Maleinsäurehydrazid

In anfälligen Sorten und hitzigen Böden ist in den Beständen Durchtrieb oder Neuansatz zu finden.
Ob deshalb jetzt Maleinsäurehydazid (MH) eingesetzt werden soll, um den Durchtrieb/Kindelbildung abzuschwächen, ist schwieg abzuschätzen. Denn manchmal sind nur 4 bis 6 Knollen angesetzt. Es gibt aber auch Bestände mit einem sehr guten Ansatz.
Wir sind in den spät gepflanzten Beständen in der Entwicklung bis drei Wochen zurück.
Sobald MH eingesetzt wird kommt es zu keiner Zellteilung mehr nur noch zu einer Zellstreckung.
Ein Neuansatz ist dann nicht mehr gegeben. Dieses bedeutet, dass bei einem geringen Ansatz kein neuer mehr gebildet wird. Die einzelnen Knollen, aber je nach noch vorhanden Wachstum sehr groß werden kön-nen, mit allen auch negativen Folgen, wie z.B. Hochherzigkeit.
Deshalb den Einsatz von MH/Itcan SL270 und Fazor/Himalaya 60 SG sich sehr genau überlegen was damit erreicht werden soll, bzw. was die Auswirkungen sind. Dieses evtl. mit dem Kartoffelabnehmenden Betrieb abstimmen.
Die Anwendungsbedingungen beim Einsatz beachten, wie z.B.:
Zum Applikationszeitpunkt sollen ca. 80 % der Knollen bei kleinfallend Sorten eine Mindestgröße von 25 - 30 mm und großfallenden Sorten (Pommesware) eine Mindestgröße von ca. 35 - 40 mm erreicht haben.
Nach Möglichkeit nicht bei Temperaturen über 25°C und bei geringer Luftfeuchte einsetzen, bei heißem trockenem Wetter die frühen Morgenstunden nutzen. Luftfeuchte sollte über 60 % liegen.
Nach der Anwendung soll 24 Stunden kein Regen fallen

Kartoffelkäfer

Die Bekämpfung der Kartoffelkäfer sollte erfolgen, wenn die Masse der Larven geschlüpft ist und sie sich im jungen Larvenstadium (L1, L2) befinden. Schadschwelle 15 Junglarven/Pflanze. Wegen zunehmender Resistenz Pyrethroide wie z.B. Decis forte, Karate Zeon o.ä. bei der Kartoffelkäferbekämpfung nicht mehr einsetzen. Zudem wirken diese Mittel bei hohen Temperaturen nicht ausreichend. Damit auch langfristig noch geeignete Mittel für die Kartoffelkäfer- und Blattlausbekämpfung zur Verfügung stehen und Resistenzen hinausgezögert werden können, ist folgendes zu beachten.
  • Insektizide nur bei Bedarf einsetzen (Schadwelle von 15 Junglaven/Pflanze).
  • Bienenungefährliche Mittel bevorzugen
  • Wirkstoffgruppen wechseln
  • Insektizidspritzungen unter optimalen Bedingungen durchführen: Unter 20 °C mit mindestens 400 l Wasser/ha, möglichst junge Larvenstadien des Kartoffelkäfers (L1/L2, Kopfkapsel ist maximal 1 mm breit) bekämpfen.
  • Bevorzugt Coragen bzw. Benevia im Wechsel mit Mospilan SG bzw. Danjiri einsetzen.
  • Bei nur einer Anwendung pro Jahr im nächsten Jahr eine andere Wirkstoffgruppe verwenden, soweit dieses möglich ist.
  • Keine Pyrethroide zur Kartoffelkäferbekämpfung
  • Sollen auch Läuse mit behandelt werden, Mospilan SG oder Danjiri verwenden.

Blattläuse

Aktuell wird ein sehr geringer Blattlauszuflug in die Gelbschalen in den Vermehrungsbestände festgestellt. Insektizide und auch der Einsatz von den zugelassenen Paraffinölen können die Übertragung nur reduzieren. Daher ist die konsequente frühzeitige Bereinigung und Bekämpfung der Durchwuchskartoffel eine wichtige Maßnahme. Besonders zu Beginn wachsen die Kartoffeln sehr schnell. Damit haben die neu gebildeten Blätter keinen Schutz. Junge Pflanzen leiten das Virus schnell ab. (s. a. Vermehrerrundschreiben). Zum Einsatz der Insektizide bzw. Öl gilt es zu beachten. Eine Minderung der Y-Virusübertragung ist nur möglich, wenn es gelingt die Läuse vom Probestich abzuhalten. Pyrethroide wirken auch abschreckend auf die Läuse. Allerdings ist dieses bei der gegenwärtigen Witterung eingeschränkt. Weil durch die Sonneneinstrahlung die Wirkstoffe schnell abgebaut werden. Auch sollte die Temperatur beim Pyrethroideinsatz nicht über 20° C liegen. Paraffinöl wirkt nach Versuchen besser als Insektizide zu Verhinderung der Y-Virus-Übertragung. Zur Anwendung die Witterung und das Wachstum der Kartoffelpflanzen beachten.
Paraffinöl vermindert nicht die Übertragung von Blattrollvirus.
In der nachfolgenden Tabelle finden Sie für ausgewählte Standorte die Zahlen der zugeflogenen Blattläuse in den Gelbschalen.

Blattlauszuflug in den Gelbschalen

Spurenelementdüngung

Die trockene Witterung fördert auf den gefährdeten Schlägen den Spurenelementmangel. Es gibt gut sichtbare Mängel wie z.B. Magnesium oder Mangan. Wenn erste Blattmerkmale auftreten, ist es schon fast zu spät. Deshalb rechtzeitig daran denken. Weniger sichtbar ist z.B. Bor. Eine ausreichende Borversorgung ist für die Zellstabilität notwendig. Bei Bodenversorgungsstufe A oder B sollte eine Düngung erfolgen. Bor wird über die Wurzel aufgenommen und in der Pflanze nicht umverlagert. Deshalb früh spritzen, ca. 0,5 kg Bor/ha. Bei Unsicherheit eine Pflanzenprobe untersuchen lassen. Am besten eine Probe von normal entwickeltem Bestand und eine mit den Mangelerscheinungen. Abhilfe ist zur mit einer gezielten Spritzung möglich. Auf die Zusammensetzung der Präparate achten z.B. Chelatform. Hinweise zur Mischung beachten.
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