Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg informiert zur Sortenberatung Winterraps.
Die Sortenempfehlung erfolgt auf Basis der Ertragsergebnisse in Stufe 2 mit intensivem Fungizideinsatz. Die nötigen Pflanzenschutzbehandlungen im Herbst wie auch im Frühjahr und zur Blüte werden an allen Versuchsorten nach den Grundsätzen des Integrierten Pflanzenschutzes durchgeführt. Somit sind insbesondere Blütenbehandlungen für jeden Standort individuell nach Infektionsgeschehen anzuwenden.
Bei der Vermarktung von Raps werden Preisaufschläge für den Ölgehalt gewährt, so ist in erster Linie die Marktleistung und nicht der Kornertrag als Basis für den Leistungsvergleich der Sorten zu sehen.
Vielversprechende neue Sorten werden in großer Zahl jährlich neu in den LSV aufgenommen. Dies verdeutlicht den züchterischen Fortschritt in der Kultur Winterraps. Auffällig ist, dass neuere Züchtungen gegenüber Umwelteinflüssen sehr robust sind. Eigenschaften, wie breite Toleranzen gegenüber Krankheiten, Entwicklung vor und nach Winter, sowie bei der Kältetoleranz sind zuletzt züchterisch stark bearbeitet worden.
Zu beachten ist aber auch, dass sich seit einigen Jahren ein Trend in der Züchtung nach und nach etabliert, die Toleranz gegenüber dem Wasserrübenvergilbungsvirus außer Acht zu lassen und dafür Ertrag zu generieren. Dies wird in den nächsten Jahren sich wohl verstärken.
Daktari (Rapool)
Daktari ist mehrjährig im tertiären Hügelland mit einer sehr hohen Marktleistung bei hohen Erträgen und überdurchschnittlichen Ölgehalten in den Auswertungen aufgefallen. 2025 lag der Ertrag über dem Durchschnitt. Daktari kann auch unter starkem Krankheitsdruck gute Ergebnisse erzielen. Die Sorte besitzt eine Resistenz gegenüber TuYV, sowie überdurchschnittlichen Einstufungen bei Sklerotinia und Alternaria. Die Standfestigkeit der Sorte wird als überdurchschnittlich beschrieben. Die Pflanzenentwicklung im Herbst ist für späte Saaten geeignet. Die Frühjahrsentwicklung ist bei Daktari verzögert. Die Abreife der Pflanze erfolgt tendenziell früher.
Hermann (BASF)
Hermann erreichte mehrjährig im Anbaugebiet tertiäres Hügelland überdurchschnittliche Marktleistungen bei überdurchschnittlichen Ölgehalten. Unter den Gegebenheiten des Jahres 2025 konnten vor allem im südbayerischen Raum überdurchschnittliche Ertragsergebnisse erzielt werden. Die Sorte besitzt eine Resistenz gegenüber TuYV. Die Pflanzengesundheit liegt auf mittlerem bis überdurchschnittlichem Niveau. Die Standfestigkeit von Hermann ist vorläufig mittel eingestuft, wobei bislang keine Auffälligkeiten bekannt sind. Die Abreife von Korn und Stroh erfolgt gleichmäßig bei einer insgesamt mittleren Reifeeinstufung.
KWS Ektos (KWS) – NEU
Mehrjährig erreicht KWS Ektos hohe Marktleistungen bei deutlich überdurchschnittlichen Erträgen und durchschnittlichen Ölgehalten. 2025 konnten im tertiären Hügelland sehr hohe Erträge an den einzelnen Standorten erzielt werden. Die Sorte ist durchschnittlich bei Toleranzen gegenüber Krankheiten eingestuft, jedoch ist zwingend zu beachten, dass KWS Ektos keine Resistenz gegenüber TuYV besitzt. Die Herbstentwicklung ist zügig, sodass die Sorte für mittlere bis späte Saaten geeignet ist. Die Pflanzenlänge von KWS Ektos ist mittel bis lang zu bewerten. Die Neigung zu Lager ist vorläufig mittel eingestuft.
KWS Vamos (KWS) – NEU
KWS Vamos gehört mehrjährig im tertiären Hügelland in der Ertragsleistung zu den besten Sorten des LSV. Gute Erträge in Kombination mit überdurchschnittlichen Ölgehalten erreichen sehr hohe Marktleistungen. KWS Vamos besitzt eine im Vergleich zu den anderen Sorten im LSV durchschnittliche Krankheitstoleranz. Zu beachten ist allerdings, dass die Resistenz gegenüber TuYV nicht vorhanden ist. Die Herbstentwicklung ist frohwüchsig, dennoch kann die Sorte auch für frühe bis mittlere Saaten eingesetzt werden. Laut Züchterangabe ist die Neigung zur Stängelstreckung im Herbst gering. Die Abreife der Pflanze ist mittel eingestuft.
KWS Ambos (KWS) - NEU
Mehrjährig erreicht KWS Ambos hohe Marktleistungen bei deutlich überdurchschnittlichen Erträgen und überdurchschnittlichen Ölgehalten. 2025 konnten in Nordbayern sehr hohe Erträge an den einzelnen Standorten erzielt werden, die deutlich über den südbayerischen Ergebnissen lagen. KWS Ambos ist überdurchschnittlich bei Toleranzen gegenüber Krankheiten eingestuft, jedoch besitzt die Sorte keine Resistenz gegenüber TuYV. Die Herbstentwicklung ist zügig, sodass die Sorte für mittlere bis späte Saaten geeignet ist. Die Pflanzenlänge von KWS Ambos ist eher länger zu bewerten. Jedoch ist die Neigung zu Lager als gering eingestuft.
Scotch (Rapool)
Scotch erreichte mehrjährig im Anbaugebiet Jura/Hügelland durchschnittliche Marktleistungen bei durchschnittlichen Ölgehalten. Unter den Gegebenheiten des Jahres 2025 konnten vor allem in den nordbayerischen Versuchsstandorten gute Ertragsergebnisse erzielt werden. In Bezug auf die Pflanzengesundheit ist Scotch durchschnittlich anzusehen. Die Resistenz gegenüber TuYV ist gegeben. Die Sorte ist darüber hinaus durch eine zügige Vorwinterentwicklung gut für späte Aussaattermine geeignet. Eine gleichmäßige Abreife von Korn und Stroh ermöglicht frühe Erntetermine.
Die Kohlhernie gewinnt in Einzelfällen zunehmend an Bedeutung. Dies geschieht in erster Linie dann, wenn eine Rapsfruchtfolge zu eng (2-3 Jahre) gefahren wird oder der Anbau von für Raps unverträglichen Zwischenfrüchten durchgeführt wird. Auch eine inkonsequente Beseitigung von Ausfallraps kann das Problem Kohlhernie erhöhen. Ist wirtschaftlicher Schaden auf einer Fläche bekannt geworden, so kann mit einer gegenüber Kohlhernie resistenten Sorte Abhilfe geschafft werden. Jedoch sollten dann auch die Fehler, die zum Problem Kohlhernie führten, abgeschafft werden. Unter den im LSV getesteten gegenüber Kohlhernie resistenten Sorten ist Crossfit im LSV dreijährig geprüft und erweist sich aus ersten Erkenntnissen als zuverlässige Sorte, die gute Ertragsergebnisse liefert. Das Ertragspotential der resistenten Sorten ist durch die Hybridzüchtung auf ein gutes Niveau gestiegen und kann sich dem Durchschnitt aller LSV-Sorten nahezu anpassen.