Initiative Zukunftswald Bayern
Musterbestände zum Waldumbau

Blick auf Buchenverjüngung unter Fichtenschirm

In ganz Bayern verursacht der Klimawandel zunehmend Schäden in den Wäldern.

Langanhaltende Trockenperioden, zunehmende Hitze und Extremwetterereignisse schwächen die Bäume und machen sie anfälliger für Schadinsekten wie beispielsweise die Borkenkäfer. Selbst unsere Hauptbaumarten Fichte, Kiefer und Buche kommen - besonders im Reinbestand - zunehmend an ihre ökologischen Grenzen. Daher ist es wichtig, die Waldbestände möglichst frühzeitig an die sich ändernden Klimabedingungen anzupassen.

Wie sehen zukunftsfähige Wälder aus?

Sie fragen sich vielleicht, wie zukunftsfähige Wälder aussehen können oder wie sich neue Baumarten entwickeln. Unsere Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten haben dazu Musterbestände ausgewählt, die Ihnen anschauliche Beispiele geben.

Musterbestände im Amtsbereich

Im Amtsbereich dominiert derzeit noch die Baumart Fichte. Diese wird von lang anhaltenden Trockenphasen und hohen Temperaturen besonders stark beeinträchtigt. Die Daten aus dem Bayerischen Standortinformationssystem (BaSiS) zeigen für diese Baumarten ein erhöhtes Anbaurisiko auf vielen bestehenden Waldflächen. Es besteht also dringender Handlungsbedarf. In den Musterbeständen sehen und erfahren Sie, was sie tun können. Nähere Informationen zu den einzelnen Beständen entnehmen Sie bitte der nachfolgenden Übersicht.

Lage der Beispielflächen

Mit Hilfe der Lageskizzen können Sie sich die Bestände selbständig anschauen und sich über verschiedene Wege zum Waldumbau informieren. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Augsburg steht Ihnen beratend zur Seite, um gemeinsam den Wald fit für die Zukunft zu machen. 

Übersichtskarte der Bestände - BayernAtlas Externer Link

Katalog der Musterbestände (Druckversion) pdf 11,8 MB

Bestände im Raum Baar

Tannen-Voranbau, gezäunt

Die Baumart Fichte, die heute den Hauptteil der Wälder im Gebiet des AELF Augsburg ausmacht, kommt besonders im Reinbestand zunehmend an ihre ökologischen Grenzen. Daher ist es wichtig, die Waldbestände möglichst frühzeitig an die sich ändernden Klimabedingungen anzupassen.  Mehr

Im Raum Biberbach

Bestand 7 - Weißtannen-Voranbau

Der Weg bis zum heutigen Erscheinungsbild

Weißtannen-Voranbau bei Biberbach
In dem Fichtenwald bei Biberbach wurden bereits 2011 an zwei Stellen größere Gruppen mit Weißtannen gepflanzt. Die Tannen sind bei Reh und Hase als Nahrung sehr beliebt. Sie sind deshalb mit einem Zaun gegen Wildverbiss geschützt.
Über der einen Weißtannen-Gruppe stehen die alten Fichten noch dicht, deshalb ist es hier relativ dunkel. Hier muss dringend durchforstet werden, damit die eingebrachten Weißtannen mehr Licht zum Wachsen haben. Dass das so ist, kann man gut daran erkennen, dass die kleinen Bäume jedes Jahr nur sehr wenig in die Höhe wachsen.
Bei der anderen Tannen-Gruppe, an deren Rand der Altbestand bereits weg ist, sind die Jahrestriebe deutlich länger.

Zukünftige Maßnahmen

In den nächsten Jahren wird über den eingebrachten Tannen gezielt nachgelichtet. Diese Steuerung des Wachstums über das Licht wird in der Folge je nach Bedarf weitergeführt.

Wegbeschreibung und Lageplan

Der Vorführbestand 7 liegt westlich von Biberbach. Von der Ortsmitte in Biber-bach fahren Sie nach Westen Richtung Rieblingen, Nach der Einmündung in die Staatsstraße 2033 fahren Sie noch weitere 1,1 km Richtung Rieblingen und biegen dann links ab in den Wald. Dort parken Sie am Rand des Forstweges und gehen zu Fuß in Richtung Südosten. Nach ca. 400 m gehen Sie an einer Kreuzung nach rechts. Nach weiteren ca. 400 m kommt der Bestand 7 auf der rechten Seite des Forstwegs.

Lageplan BayernAtlas - Bestand 7 Externer Link

Im Raum Langweid am Lech

Bestand 8 - Stieleiche - Mittleres Alter

Ausgangslage

Am Faschingswochenende 1990 haben die Stürme Vivian und Wiebke große Schneisen in die heimischen Fichtenwälder gerissen. Besonders betroffen waren die für Fichten schlechter geeigneten Standorte wie dieser hier. Den unterdurchschnittlich mit Wasser versorgten, sandigen Lehm, durchwurzeln Fichten nicht so gut. Das Wurzelwerk bleibt flach und die Bäume werden leichter geworfen.

Motivation und Zielsetzung des Waldbesitzers

Die heimische Stieleiche bildet regelmäßig eine Pfahlwurzel aus. Diese und die zusätzlichen Seitenwurzeln, die sich später auch nach unten absenken, verankern den Baum sehr effizient. Aufgrund der Form spricht man hier von einem Herzwurzel-System.
Mit der Pflanzung der Stieleichen erhofften sich die Bewirtschaftenden also einen Wald, der widerstandsfähiger gegenüber Stürmen ist, als sein Vorgänger.

Maßnahme

Der Musterbestand 8, ein Stieleichenbestand mittleren Alters, stammt aus dem Jahr 1990. Als Nebenbestand wurden Winterlinden gepflanzt. Die sollen den Stamm der Eichen dauerhaft beschatten. Das dient dazu, dass die Eichen ihre Seitenäste verlieren. Deshalb nennt man den Nebenbestand auch „dienende Baumart“. Ohne Licht sterben die Äste am Stamm ab und fallen schließlich zu Boden. Das ist erforderlich, weil die Qualität beim Laubholz vor allem daran gemessen wird, dass der Stamm von frühester Jugend an ohne Seitenäste aufwächst.
Südlich neben dem Stieleichenbestand wurde 2019 eine Traubeneichenkultur mit Hainbuche als dienender Baumart gepflanzt. Ursprünglich wuchsen auch hier Fichten. Es sind noch Reste einer Buchen-Gruppe zu sehen, die bereits unter den Fichtenaltbestand gepflanzt wurde. Aufgrund von Borkenkäferbefall musste der Bestand jedoch frühzeitig eingeschlagen werden. Es ist zu erwarten, dass sich die Traubeneichen auf diesem Standort ebenfalls gut entwickeln.

Der Weg bis zum heutigen Erscheinungsbild

Heute lassen die Stieleichen eine sehr gute Qualität erkennen. Sie haben die gewünschte astfreie Stammlänge erreicht, nun muss durchforstet werden. Damit lenken die Bewirtschaftenden den künftigen Zuwachs auf die Bäume mit bester Qualität, die „Zukunftsbäume“. Deren Nachbarn, oft mit schlechterer Qualität, werden dafür gefällt. Die so befreiten Bäume haben nach der Durchforstung mehr Platz, bekommen größere Kronen und werden deshalb auch dicker als diejenigen, die nicht unterstützt wurden.

Zukünftige Maßnahmen

Bei der Durchforstung ist behutsam vorzugehen. Denn wenn die Bäume schlagartig sehr viel Licht bekommen, können am Stamm sogenannte „Wasserreiser“ entstehen, die die Qualität des Holzes mindern. Um dem vorzubeugen sollte der Nebenbestand unbedingt erhalten bleiben.
Mehr zur Z-Baum-Durchforstung lesen Sie weiter unten bei den forstlichen Fachbegriffen.
Wegbeschreibung und Lageplan
Der Vorführbestand 8 liegt bei Langweid am Lech. Von Augsburg aus kommend fahren Sie Richtung Norden auf der Bundesstraße B2 und nehmen die Ausfahrt Langweid. Nach der Ausfahrt biegen Sie rechts auf die Rehlinger Straße ab. Im Kreisverkehr nehmen Sie die zweite Ausfahrt und fahren für ca. 880 m weiter geradeaus. Nun kommt auf der rechten Seite eine Einfahrt in den Wald, dort biegen Sie ein und parken seitlich am Weg. Nun gehen Sie nach Westen; nach 100 Metern liegt rechter Hand der Eichenbestand.

Lageplan Bestand 8 - BayernAtlas Externer Link

Im Raum Mickhausen

Bestand 9 - Gemischte Naturverjüngung

Ausgangslage

Diese Waldfläche bei Mickhausen entstand in den Jahren um 1950. Es ist ein Fichten-Buchen-Lärchen-Bestand mit einzelnen Douglasien, Stieleichen, Bergahorn und Linde. Hauptsächlich besteht der Wald jedoch aus Altfichten.

Der Weg bis zum heutigen Erscheinungsbild

Naturverjüngung unter Fichten-Altbestand
Unter dem Altbestand hat sich über die letzten Jahre Naturverjüngung eingestellt, vor allem Rotbuche, Bergahorn, Fichte, Hainbuche und Vogelbeere. Ziel der weiteren Behandlung ist, die so schön gemischte Naturverjüngung zu erhalten. So bekommt der Besitzer ohne viel Aufwand einen stabilen Mischbestand. Aufgrund der zu erwartenden Klimaveränderungen wird versucht, die Beteiligung der Fichte im Folgebestand eher gering zu halten. Mit diesem Ziel wurde bereits einmal im Hauptbestand über der Verjüngung für mehr Licht über den Mischbaumarten gesorgt.

Zukünftige Maßnahmen

Eine vergleichbare Maßnahme ist für die nächsten zehn Jahre (ab 2021) noch einmal geplant. Der Eingriff dient insbesondere dazu, die Naturverjüngung mit mehr Licht zu versorgen und so ihr Wachstum anzuregen. Darüber hinaus sollen im Altbestand Bäume mit guter Qualität von bedrängenden Nachbarn befreit werden. Das dient einmal dazu, den Zuwachs auf die qualitativ hochwertigen und gesunden Altbäume zu lenken. Zum zweiten wird bei Bäumen, die in den nächsten Jahren noch Samen abwerfen sollen, darauf geachtet, dass sich die Krone gut entwickeln kann. Langfristig wird Stück für Stück die Fichte über der Naturverjüngung entnommen.
Wegbeschreibung und Lageplan
Zum Vorführbestand 9 fahren Sie von Fischach aus in Richtung Süden nach Mickhausen. Von der Hauptstraße in Mickhausen biegen Sie in die Pfarrer-Salus-Bauer-Straße ab. An der Kirche St. Wolfgang befinden sich Parkplätze, dort bitte parken. Vom Parkplatz aus können Sie den etwa 500 m langen Rundweg durch den Vorführbestand laufen. Zuerst geht es entlang eines Wanderweges ca. 190 m geradeaus, bis auf der linken Seite eine ehemalige Rückegasse kommt (siehe zweites Foto; bitte aufpassen, es gibt mehrere Rückegas-sen). Die Bäume sind mit gelben Strichen und einem roten Pfeil markiert. Dort biegen Sie ein und folgen der Gasse. Nach 60 m kommt eine Linkskurve, nach weiteren 80 m gelangen Sie auf einen Forstweg. Dort gehen Sie nach links und folgen dem Forstweg 200 m zurück bis zum Parkplatz.

Lageplan Bestand 9 - BayernAtlas Externer Link

Im Raum Reichertshofen

Bestand 10 - Rotbuche - Altbestand mit Naturverjüngung

Ausgangslage

Unter dem Musterbestand 10, einem Altbestand aus Rotbuche mit einzeln beigemischter Roteiche, Douglasie und Kiefer, hat sich eine üppige Naturverjüngung v. a. aus Rotbuche verschiedener Altersstadien eingestellt. Die Altbuchen weisen für diese Gegend eine gute Qualität auf. Die Naturverjüngung besteht aktuell zu fast 100 % aus Buche. Ziel wäre es, dass der nachwachsende Bestand mindestens die Vielfalt aufweist, wie der Altbestand.

Zukünftige Maßnahmen

Um also mehr Vielfalt in die Naturverjüngung zu bekommen, werden die aufkommenden Mischbaumarten von bedrängender Buche befreit. Zusätzlich kann mit der Belichtung gesteuert werden. Hierzu wird beispielsweise über aufkommender Ahorn-Naturverjüngung das Kronendach geöffnet. Die Ahornarten und andere Arten, die auf Licht schneller reagieren als die Buchen, wachsen schnell in die Höhe und füllen den Lichtschacht auf.
Darüber hinaus wäre auch darüber nachzudenken, ob an noch unverjüngten Stellen gezielt andere Baumarten gepflanzt werden.
Wegbeschreibung und Lageplan
Der Vorführbestand 10 befindet sich bei Reichertshofen. In Reichertshofen geht es von der Neufnachstraße (Staatsstraße 2026) nach Osten in die Waldstraße. Dieser folgen Sie für etwa 850 Meter. Kurz nach der Linkskurve geht rechts ein Waldweg weg, hier am Wegrand parken. Von dort sind es etwa 200 Meter weiter zu Fuß nach Osten; dort quert der Weg den Rotbuchenaltbestand.

Lageplan Bestand 10 - BayernAtlas Externer Link

Im Raum Blumenthal

Blick in einen Traubeneichenbestand

In den 90er Jahren wurden viele landwirtschaftliche Flächen nach der Aufgabe des Betriebes in Wald umgewandelt. So passierte es auch hier in Blumenthal, als in den Jahren nach der Aufgabe des landwirtschaftlichen Betriebs rund 90 Hektar aufgeforstet wurden. Manche dieser Ackeraufforstungen sind mittlerweile sehr ansehnlich und eine Besichtigung wert.  Mehr

Im Raum Schwabmünchen

Bestand 15 - Stieleiche - Mittleres Alter

Ausgangslage

Den Musterbestand 15, einen qualitativ hochwertigen Mischbestand aus Edellaubholz und Stieleiche, finden Sie im sogenannten „Eichenwäldchen“, westlich von Schwabmünchen. Er ist ca. 1,6 Hektar (ha) groß und, wie der Musterbestand 8 bei Langweid a.Lech, im Jahr 1991 auf einer Kahlfläche nach den Stürmen Vivian und Wiebke entstanden.

Der Weg bis zum heutigen Erscheinungsbild

Blick in einen Stieleichenbestand
Im westlichen Teil findet sich Bergahorn mit Winterlinde im Nebenbestand, Richtung Osten Stieleiche mit Winterlinde im Nebenbestand. Ab 2011 wurde der Bestand zweimal durchforstet, mit einem Entnahmesatz von etwa 15 Festmeter je Hektar (fm/ha). Die waldbauliche Maßnahme in diesem Zeitabschnitt ist die Auslesedurchforstung. Dabei werden qualitativ hochwertige, vitale und stabile Bäume als Zukunftsbäume ausgewählt und gefördert (im Foto der Baum mit gelber Markierung). Bedrängende Bäume werden entnommen (im Foto der Baum mit roter Markierung).

Zukünftige Maßnahmen

In den zehn Jahren ab 2021 sind ein bis zwei Eingriffe mit einer Entnahme von etwa 25 fm/ha geplant. Die Astreinigung hat größtenteils schon stattgefunden, weshalb sich der Bestand schon jetzt in einem Übergang zu einer Altdurchforstung befindet.
Wegbeschreibung und Lageplan
Zum Vorführbestand 15 fahren Sie von Schwabmünchen aus auf der Krumbacher Straße in Richtung Leuthau. Ab Überquerung der Wertach fahren Sie noch etwa 1 km, dort beginnt der Bestand auf der linken Seite. Am Ende des Eichenwäldchen, 400 m weiter, biegen Sie links in den Feldweg ein und parken seitlich am Weg.

Lageplan Bestand 15 - Bayernatlas Externer Link

Im Raum Aichach

Stieleichenbestand nach Auslesedurchforstung

Die Musterbestände bei Aichach lassen kaum Wünsche offen. Von Erstaufforstung auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen über Naturverjüngung und Voranbau bis zur Wiederaufforstung nach Schaden haben Waldbesitzende verschiedene Möglichkeiten gewählt, ihre Fichtenbestände in zukunftsfähige Mischbestände umzuwandeln  Mehr

Im Raum Waldberg

Rotbuchen-Naturverjüngung unter Fichten-Altbestand

Von Waldberg aus erreichen Sie weitere Bestände, die Ihnen die verschiedenen Vorgehensweisen beim Waldumbau verdeutlichen. Hier wird sichtbar, wie Voranbauten von Buche und Weißtanne aussehen können. Auch Naturverjüngung von gemischtem Wald oder die Pflege älterer Fichten-Naturverjüngung wird vorgeführt. Dazu können Sie sich das Ziel dieses Vorgehens vor Augen führen, nämlich gemischte Altbestände mit niedrigen Anteilen von Fichte.  Mehr

Im Raum Zusmarshausen

Musterbestände bei Zusmarshausen

Buchen-Vorbau unter Fichtenaltholz

Im Norden von Zusmarshausen liegen die Vorführbestände 31 bis 33. Zu sehen sind mehrere Voranbauten von Weißtanne und Rotbuche sowie ein Voranbau von Eibe, die in einem knapp 100-jährigen Fichtenaltholz angelegt wurden.  Mehr

Forstliche Fachbegriffe? Einfach erklärt
Auf dieser Hauptseite zu den Musterbeständen finden Sie eine einfache Erklärung der forstlichen Fachbegriffe, z. B. was man unter einer Auslesedurchforstung versteht oder wann man von Voranbau spricht.

Forstliche Fachbegriffe einfach erklärt

Ziele waldbaulichen Handelns

Am schönsten hat's die Forstpartie, es wächst der Wald auch ohne sie. Diesen Ausspruch des Volksmunds kennen viele Menschen bei uns. Manch einer glaubt damit begründen zu können, dass wir unsere Wälder am besten in Ruhe und ungestört wachsen lassen, um am meisten Nutzen daraus zu ziehen.
Förster und Waldbesitzer widersprechen dem allerdings vehement. Schon immer haben die Verantwortlichen im Wald gepflanzt, gepflegt und geerntet und so versucht, ihre waldbaulichen Ziele zu erreichen. Gerade angesichts der Herausforderungen durch die Folgen des menschengemachten Klimawandels wird das Handeln im Wald wichtiger. Gemischte, gesunde und maximal stabile Wälder sind die aktuellen Ziele waldbaulichen Handelns. Denn solche Wälder sind den Gefahren des Klimawandels am ehesten gewachsen, bieten weiterhin dem Waldbesitzer einen Beitrag zum Einkommen, den Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten zu Erholung und Naturgenuss und bleiben ökologisch wertvoller Lebensraum. Die Forstpartie hat, wie jede andere Branche auch, im Laufe der Zeit zahlreiche Fachbegriffe entwickelt, die im Folgenden erklärt werden.

Naturverjüngung

Naturverjüngung sind die jungen Pflanzen, die aus den Samen von Altbäumen heranwachsen. Die Naturverjüngung ist ein guter Weg, um Reinbestände in Mischbestände umzubauen. Sie hat gegenüber der Pflanzung einige Vorteile zu bieten. Die Wurzelentwicklung verläuft ungestört, dies führt zu einer besseren Stabilität und Vitalität der Bäume und es entfallen die Kosten für die Kulturbegründung. Die Grundvoraussetzung für eine natürliche Verjüngung der Bestände sind angepasste Wildbestände. Dazu braucht es Samenbäume der gewünschten Baumart in der Nähe sowie passende Lichtverhältnisse. Naturverjüngungen können zusätzlich durch Pflanzung anderer Baumarten ergänzt werden. Der vorhandene Altbestand schützt die jungen Pflanzen vor äußeren Einflüssen wie Frost oder Trockenheit. Und die jungen Bäume wachsen je nach Lichteinfall bereits unterschiedlich auf, Pflegemaßnahmen sind oft nicht nötig.

Voranbau (= Vorbau)

Der Vorbau eignet sich sehr gut für den Umbau von Fichtenbeständen in denen keine Mischbaumarten vorkommen. Unter dem Schutz des Altbestandes werden schattentolerante Baumarten wie Rotbuche und Weißtanne eingebracht. Lassen Sie sich nicht täuschen, wenn Fachleute von „Schattbaumarten“ sprechen. Das heißt nicht, dass diese Baumarten Schatten brauchen, um zu wachsen. Natürlich benötigen auch die kleinen Weißtannen oder Rotbuchen zum Wachsen Licht und je mehr Licht sie bekommen, desto besser wachsen sie auch. Sie ertragen nur den Schatten besser und können auch unter diesen Bedingungen noch ein wenig in die Höhe wachsen. Die sogenannten „Lichtbaumarten“ sind bei starker Überschirmung deutlich im Nachteil. Eine typische Lichtbaumart ist zum Beispiel die Fichte.
Damit nun die Schattbaumarten am Waldaufbau zum Schluss auch wirklich beteiligt sind und nicht auf dem Weg dahin von der Fichtenverjüngung überwachsen werden, brauchen sie einen Vorsprung. Den können sie sich nur „erarbeiten“, wenn sie rechtzeitig in die alten Fichtenwälder eingebracht werden. Die Überschirmung sollte deshalb mindestens 10, besser 20 Jahre dauern. Der Altbestand muss noch stabil genug sein, damit er diese Phase überdauern kann. Vorbaugruppen werden mosaikartig in einer Größe von etwa 20 mal 20 Meter zwischen den Rückegassen eingebracht. Nach und nach kann dann der Altbestand entnommen werden. Die Altbäume werden nach außen auf die Gasse gefällt, um die Vorbauten nicht zu gefährden. Mit dem Nachlichten über den Vorbaugruppen wird spätestens begonnen, wenn das Höhenwachstum der kleinen Bäume nachlässt.

Kultur- und Jungwuchspflege

Die Zeit der Jungwuchspflege reicht von der Pflanzung einer Kultur oder dem Auflaufen von Naturverjüngung bis die Kronen der jungen Bäume ineinander wachsen (= Dickungsschluss). In dieser Zeit können die Bewirtschaftenden die Qualität, Stabilität und Baumartenvielfalt sicherstellen.
In gleichmäßig aufgewachsenen, dichten Fichtennaturverjüngungen ist eine schematische Stammzahlreduktion notwendig. Hierzu werden einzelne Bäume mit dem Freischneider freigestellt. Mischbaumarten werden gezielt gefördert.
In bereits gemischten Beständen können die Baumartenanteile gesteuert werden.
Durch die Pflege gewinnt der einzelne Baum an Platz, wodurch sich eine lange, stabile grüne Krone entwickeln kann. Zudem stehen für den Einzelbaum mehr Ressourcen (Wasser, Nährstoffe, Licht) zur Verfügung. Die Pflege in der Fichte wird am besten vorgenommen, solange man die Verjüngungsfläche noch überblicken kann (ca. Hüfthöhe).

Jungbestandspflege

Die Jungbestandspflege beginnt nach der Kultur- oder Jungwuchspflege, also mit Dickungsschluss. Ob es eine Jungbestandspflege braucht hängt davon ab, wie sich das Mischungsverhältnis sowie Qualität, Vitalität und Stabilität der Bäume zu entwickeln beginnen und davon, ob das den Zielen des Eigentümers entspricht. Es gilt der Grundsatz früh und mäßig einzugreifen, dafür häufig.
Im Laubholz ist besonders darauf zu achten, den Dickungsschluss nicht zu unterbrechen, damit die natürliche Astreinigung ablaufen kann.
Im Nadelholz wird in undifferenzierten Beständen in die Auslesedurchforstung übergegangen, es erfolgt jetzt keine schematische Stammzahlreduktion mehr.

Jungdurchforstung

Durchforstungen sind ein wichtiger Teil der Bestandespflege. Dadurch wird der Zuwachs auf die zukünftigen Wertträger des Bestandes gelenkt. Zudem werden strukturreiche und stabile Bestände geschaffen.Die Bäume des undurchforsteten Bestandes wachsen schnell und gleichförmig nach oben zum Licht und bleiben dadurch dünn. Die Kronen haben nur einen geringen Anteil an der Stammlänge, sie sind hoch angesetzt. Der Bestand wird instabil, er ist windwurf- und schneebruchgefährdet.
Mit der Jungdurchforstung wird etwa ab einer Höhe von 10 bis 12 Metern bzw. einem Alter von etwa 25 Jahren begonnen. Diese Phase ist auch erkennbar durch den Beginn der natürlichen Astreinigung beim Laubholz und durch das Absterben der grünen Äste beim Nadelholz. In Nadelholzbeständen wird in dieser Zeit stärker eingegriffen. Die verbleibenden Bäume erhalten mehr Licht, die Bäume sind tiefer bekront und damit stabiler. Im Laubholz wird nicht so stark eingegriffen. Der Dichtstand soll noch erhalten bleiben, die natürliche Astreinigung setzt sich fort. Während der Jungdurchforstung werden auch Rückegassen angelegt, parallel alle 30 m mit einer Breite von mindestens 4 m. Durch die Erschließung des Bestandes lässt sich die Waldpflege und der Abtransport des Holzes um ein Vielfaches erleichtern. Auch Rettungskräften wird der Weg in den Wald erleichtert.

Auslesedurchforstung/Z-Baum-Durchforstung

Wir empfehlen, bereits bei der Jungdurchforstung nach dem Prinzip der Auslese- oder Z-Baum-Durchforstung vorzugehen.
Hier werden zunächst die Zukunftsbäume (= Z-Bäume) markiert. Ausgewählt werden sie anhand von Qualität, Vitalität und Stabilität, also Gesundheit und Stammform, Wuchskraft im Vergleich mit dem umgebenden Bestand sowie der Kronenform. Alle 8 bis 12 Meter sollte ein Z-Baum stehen.
Um diesen Bäumen dann genügend Raum für ihre weitere Entwicklung zu geben werden 1 bis 2 bedrängende Bäume entnommen. Die Bereiche zwischen den Z-Bäumen bleiben bewusst ungepflegt. Eventuell vorhandener Unter- und Zwischenstand bleibt erhalten. Er dient zur Schaftpflege und zur Strukturierung des Bestandes. Etwa nach fünf Jahren sollte der nächste Eingriff stattfinden.

Altdurchforstung

Die Altdurchforstung beginnt bei einer Höhe der Bäume von etwa 20 Metern und einem Alter von ca. 35 Jahren, abhängig von der Baumart und den Standortsverhältnissen. In dieser Phase geht es um den weiteren Kronenausbau und den Zuwachs der Zukunftsbäume.
Es kann jedoch auch sein, dass sich ein zuvor gewählter Zukunftsbaum nicht wie gewünscht entwickelt hat oder einen Schaden aufweist, dann sollte auf einen anderen Kandidaten gesetzt werden. In stabilen Beständen können auch in dieser Phase 1 bis 2 Bedränger pro Z-Baum entnommen werden. Der Eingriff wird wiederholt, wenn die Entwicklung der Kronen dies erfordert. Am Ende der Altdurchforstung sind die Z-Bäume in hiebsreife Dimensionen gewachsen. Auch über den Folgebestand müssen sich nun Gedanken gemacht werden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in die nächste Waldgeneration einzusteigen. Je nach Ausgangslage kann man versuchen, Naturverjüngung einzuleiten, rechtzeitig Voranbauten einzubringen oder es wird schließlich der Bestand eingeschlagen und ein Nachfolge-Bestand gepflanzt.

Waldrand

Skizze eines artenreichen WaldrandsZoombild vorhanden

Skizze: R. Costa (2009)

Der Waldrand bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Zudem wird der dahinter liegende Waldbestand durch ihn geschützt - Windwurf- und Bruchgefahr werden vermindert, da die Turbulenzen abgemildert werden. Beim Aufbau eines Waldrandes werden drei Bereiche unterschieden: der Krautsaum, der Strauchgürtel und der Waldgürtel. Daran schließt sich dann der eigentliche Waldbestand an.
Im Krautsaum stellen sich Arten wie Brennnessel, Schlüsselblume oder Storchenschnabel ein. Im Strauchgürtel können die verschiedensten Heckenpflanzen vorkommen wie Schlehe, Weißdorn oder Holunder. Bäume zweiter Ordnung, also solche, die nicht so groß werden, beispielsweise Feldahorn, Mehlbeere, Wildobst, oder Weide, sind typische Bäume des Waldgürtels. Die einzelnen Zonen sind nicht klar voneinander getrennt, sondern gehen fließend ineinander über. Für die Anlage eines Waldrandes wird jedoch etwas Platz benötigt. Etwa 10 m Tiefe sollte eingeplant werden.

Ansprechpartner

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Augsburg
Rommelsrieder Straße 9, 86420 Diedorf - Biburg
Tel.: 0821 43002 2000
Fax: 0821 43002 2222
E-Mail: poststelle@aelf-au.bayern.de

Die Initiative Zukunftswald in Bayern

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Die Initiative Zukunftswald in Bayern will Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer dabei unterstützen, die eigenen Wälder klimafit zu machen. Dazu hat das Staatsministerium einige Projekte auf den Weg gebracht.

Initiative Zukunftswald Bayern - Staatsministerium Externer Link