Rückblick
Fachtagung "Gemeinsam isst man besser"

Grafische Darstellung von Tellern und Besteck; Schriftzug: Gemeinsam isst man besser

Die Fachtagung Gemeinschaftsverpflegung Schwaben findet einmal im Jahr statt. Sie bietet Ihnen Informationen über aktuelle Themen in der Gemeinschaftsverpflegung und die Möglichkeit zum kollegialen Austausch.

Die Fachtagung am 28. April 2026 stand unter dem Motto "Gemeinsam isst man besser" und betrachtete am Beispiel von Kindern, Schülern und Schülerinnen, wie wichtig es ist, die Mittagszeit einfühlsam zu gestalten. Gemeinsam besser essen bedeutet auch, der Einsatz und das Wissen um hochwertige Lebensmittel und die richtige Zubereitung der Speisen. Unterstützung kommt nicht nur durch Küchentechnik, sondern immer öfter durch den Einsatz von KI. Über 100 Teilnehmer erlebten ein informatives Programm.

Das war die Fachtagung Gemeinschaftsverpflegung 2026

Dokumentenservice für Teilnehmer der Fachtagung Gemeinschaftsverpflegung Schwaben 2026
Über folgenden Link können Sie sich die Vorträge und Informationen der Fachtagung herunterladen.

Staatministerin Michaela Kaniber spricht die Grußworte.Zoombild vorhanden

Staatsministerin Michaela Kaniber

Grußworte
Ministerin Michaela Kaniber wies in ihrem Videogruß auf die Gemeinschaftsverpflegung als einen zentralen Baustein der bayerischen Ernährungsstrategie hin. Die Gemeinschaftsverpflegung versorgt ca. 1,8 Millionen Menschen in Bayern. Sie bietet Genuss und Begegnung im jeweiligen Setting. Die Ministerin bedankte sich bei allen in der Gemeinschaftsverpflegung Beschäftigten, die sich tagtäglich um die Gesundheit und Lebensqualität ihrer Verpflegten sorgen.
Zwei Frauen stehen vor einem Plakat mit dem Motto Gemeinsam isst man besser. Zoombild vorhanden

Véronique Germscheid und Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll

Mahlzeiten in Kita und Schule feinfühlig gestalten
Frau Prof. Dr. Becker-Stoll stellte in ihrem Vortrag die Notwendigkeit dar, Essenssituationen in Kita und Schule feinfühlig zu gestalten und gut zu begleiten. Kinder erfahren dadurch, dass ihre Bedürfnisse wahrgenommen werden und sie erleben die vertraute Betreuungsperson als "sichere Basis", als "sicheren Hafen". Dies ermutigt sie u.a. Neues auszuprobieren und gerne zu essen. Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll beleuchtete, was Kinder für eine gesunde emotionale, soziale und kognitive Entwicklung benötigen und welchen Beitrag pädagogische Fachkräfte in Kita und Schule hier auch beim Essen leisten können.
Für die Podiumsdiskussion stehen die 6 Teilnehmer an Stehtischen.Zoombild vorhanden

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion

Blick in die Praxis und Podiumsdiskussion
Wie schaut der Alltag der Mittagszeit in Kita und Schule aus? Susanne Kienapfel-Sonneck, Evangelische Kindertagesstätte Auferstehungskirche Augsburg, Martina Steigerwald und Ingrid Zach, Grundschule am Haubenschloss Kempten stellten die Abläufe ihrer Einrichtungen vor. Dominik Treml, bayerischer Landessprecher des Verbandes der deutschen Schul- und Kitacaterer e.V. ging auf die Möglichkeiten der Speiselieferanten ein und betonte, wie wichtig die Kommunikation ist. Tabea Golder vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten leitete die anschließende Podiumsdiskussion und lockte stellvertretend für alle Teilnehmer weitere Informationen aus dem Erfahrungsschatz der Praktiker.
Die Referentin steht vor roten Rollups mit dem Thema Vollkorn - voll gutZoombild vorhanden

Anja Schwengel-Exner mit der Ballaststoff-Waage

Vollkorn - Voll gut! Warum wir mehr Ballaststoffe essen sollten
Ballaststoffe sind echte Multitalente: Sie fördern eine gesunde Verdauung, halten lange satt und können sogar das Risiko für verschiedene Krankheiten senken. Trotzdem nehmen die meisten von uns viel zu wenig davon zu sich – dabei ist es gar nicht schwer, mehr Ballaststoffe in den Alltag zu integrieren. Schon der Griff zu Vollkornprodukten macht einen großen Unterschied. Anja Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale Bayern e.V. stellte die neue Ausstellung vor und brachte praxisnahe Beispiele. Besonders interessant für die Teilnehmer war der Einsatz der Ballaststoff-Waage. Und: Wie Ballaststoffe nehmen Sie täglich zu sich?
Die Referentin steht am Rednerpult und davor ist ein bunter BlumenstraußZoombild vorhanden

Annette Kreiselmeyer vom Agrarbildungszentrum Landsberg am Lech, Abteilung Haushaltstechnik und Textil

Von der kleinen bis zur großen Küche – so gelingt der Kochalltag!
Welche Kochtechnik ist für welche Küchengröße und Essenszahl geeignet? Wie wirken sich unterschiedlichen Techniken auf Faktoren wie Arbeitserleichterung, Zeit, Qualität und Kosteneffizienz aus? Welche Optionen gibt es, um auch im Bestand effektiv nachzurüsten? Anette Kreiselmeyer vom Agrarbildungszentrum Landsberg am Lech, Abteilung Haushaltstechnik und Textil stellte die verschiedensten Möglichkeiten von klein bis groß vor.
Auf der Leinwand steht der Titel: Sinnvoller Einsatz von KI im VerpflegungsbereichZoombild vorhanden

Elke Messerschmitt vom Kompetenzzentrum Hauswirtschaft Triesdorf

Sinnvoller Einsatz von KI im Verpflegungsbereich
Künstliche Intelligenz durchdringt zunehmend unseren Alltag. Gleichzeitig bietet sie vielfältige Möglichkeiten, Arbeitsprozesse sinnvoll zu unterstützen. Elke Messerschmitt vom Kompetenzzentrum Hauswirtschaft Triesdorf zeigte anhand praxisnaher Beispiele aus dem Verpflegungsbereich, wie KI erfolgreich in den Arbeitsalltag integriert werden kann. Die Teilnehmenden erhielte konkrete Tipps zum richtigen Prompten, Hinweise zum datensensiblen Einsatz der KI, sowie Orientierungshilfen zum Erkennen von KI-generierten Fälschungen. Dem gezielten Einsatz von KI im Verpflegungsbereich steht nun nichts mehr im Wege.

Weitere Eindrücke von der Fachtagung Gemeinschaftverpflegung 2026

Ansprechpartnerin

Veronique Germscheid
AELF Augsburg
Bismarckstraße 62
86391 Stadtbergen
Telefon: 0821 43002-1352
Fax: 0821 43002-1111
E-Mail: poststelle@aelf-au.bayern.de

Fachtagung Gemeinschaftsverpflegung 2025

Unter dem Motto "Ernährungswandel mitgestalten – heute für morgen denken!" veranstaltete das Sachgebiet Gemeinschaftsverpflegung Schwaben am 6. Mai 2025 im Haus Sankt Ulrich in Augsburg die Fachtagung. Es wurde gezeigt, wie in den schwäbischen Einrichtungen bereits Nachhaltigkeit gelebt wird. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten zunächst die Grundlagen der Planetary Health Diet kennen, sahen wie nachhaltige Speiseplanung, nachhaltiger Einkauf und nachhaltiger Umgang mit Lebensmittel in unterschiedlichen Einrichtungen realisiert wird. Zusätzlich lernten sie neue Projekte kennen, die für Ihren Alltag nützlich sein können. Wie neue Ideen in den Einrichtungen gut kommuniziert und damit erfolgreich umgesetzt werden, erfuhren sie in einem weiteren Impulsvortrag. Zur Abrundung erwartete sie abschließend ein Update zur Lebensmittelhygiene.
Grußwort Zoombild vorhanden

Elisabeth Hagmann, StMELF

Grußwort
Elisabeth Hagmann vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus erinnerte in ihrem Grußwort daran, dass das Wort Ernährungswandel unterschiedlich interpretiert werden kann. Zudem unterliegen die Herausforderungen für die Einrichtungen einem stetigen Wandel. Essensgäste legen Wert auf Regionalität, Saisonalität und die Herkunft der Lebensmittel. Sie sprach den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihren Respekt dafür aus, dass sie den Spagat zwischen diesen Bedürfnissen, hohem Preisdruck und dem gewünschten Geschmack meistern. Das Ministerium unterstützt bayernweit über die Angebote der Sachgebiete Gemeinschaftsverpflegung den Ernährungswandel aktiv – durch Information, Vernetzung und praxisnahe Impulse

Alexandra Hiebl, Leiterin des Sachgebiets Gemeinschaftsverpflegung Schwaben, bestätigte diesen Kurs. Die Herausforderungen und Rahmenbedingungen ändern sich stetig, doch Nachhaltigkeit habe ihren festen Platz in den Einrichtungen gefunden und ist ein Motor für positive Veränderungen.

Person steht auf Bühne am RednerpultZoombild vorhanden

Johannes Spörl, KErn

Planetary Health Diet – Johannes Spörl (KErn)
Mit einem wissenschaftlichen Einstieg stellte Johannes Spörl vom Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) die Planetary Health Diet (PHD) vor. Diese wurde von der internationalen EAT-Lancet-Kommission mit dem Ziel entwickelt, eine gesunde Ernährung im Einklang mit den planetaren Grenzen zu ermöglichen. Herr Spörl zeigte auf, dass wir künftig deutlich mehr Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse verzehren sollten – und gleichzeitig den Fleischkonsum drastisch senken müssen. Besonders wichtig sei dabei auch, Lebensmittelverschwendung massiv zu reduzieren. Die PHD sei zwar keine starre Vorgabe, biete aber eine wertvolle Orientierung für mehr Nachhaltigkeit und Gesundheit in der Gemeinschaftsverpflegung. In der anschließenden Diskussion wurde auch betont, dass sich die Nachhaltigkeitsbewertung der Lebensmittel nicht auf den Co2 Fußabdruck reduzieren lässt sondern auch Aspekte wie den Wasserfußabdruck enthält.
Berichte aus der Praxis

Alexander Ruhland von der Fritz-Felsensteinschule berichtete vom Wandel hin zu einem nachhaltigeren Speiseplan. Regionalität und die Reduzierung des Fleischanteils standen dabei im Fokus. Der Weg war nicht immer einfach: Neben persönlichem Umdenken mussten auch Kolleginnen und Kollegen, sowie Eltern überzeugt werden. Trotz anfänglicher Skepsis und sinkender Essenszahlen gelang der Wandel. Heute erfreuen sich die Gerichte großer Beliebtheit – die Rückmeldungen sind durchweg positiv, und die Verkaufszahlen sind nach einem ersten Rückgang nun höher als vor der Umstellung. Nur die Versorgung mit regionalen Backwaren bleibt aufgrund des Bedarfes an großen Mengen eine Herausforderung.

Horst Pappenberger von den Kliniken an der Paar nahm die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit auf seine Reise zur Umsetzung des Beschlusses des Kreistages: Bis 2025 sollen 50 % der Produkte in seiner Küche bio und regional sein. Mit Partnern wie der Öko-Modellregion Paartal und dem Ökoring konnte er schon viele Produkte – von TK-Gemüse über Teigwaren bis zu Kartoffeln – erfolgreich umstellen. Doch der Preis bleibt ein kritischer Faktor. Daher prüft er bei jedem Produkt sorgfältig, was wirtschaftlich tragbar ist. Sein Fazit: Einige Produktgruppen lassen sich umstellen, noch mehr Bio und Regional als 50 % ist finanziell nicht tragbar.

Patrick Hintermayr vom Universitätsklinikum Augsburg stellte pragmatische Ansätze zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung vor. Dank Just-in-Time-Lagerung, verschiedener Portionsgrößen und konsequenter Abfallkontrolle konnte er nicht nur Kosten senken, sondern auch Ressourcen schonen.

Podiumsdiskussion

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich: Kommunikation ist ein Schlüssel zum Erfolg. Alexander Ruhland betonte, wie wichtig regelmäßiger Austausch mit dem Ausgabepersonal und Rückmeldeschleifen zur Portionsgröße sind, um Lebensmittelverluste zu reduzieren. Horst Pappenberger ergänzte, dass anfangs viele Kundinnen und Kunden skeptisch waren – sie befürchteten steigende Preise. Als diese ausblieben, wich die Skepsis schnell echter Begeisterung für das neue, nachhaltige Konzept.

Alexander Ruhland von der Fritz-Felsensteinschule berichtet von seiner Speiseplanumstellung

Alexander Ruhland

Horst Pappenberger von den Kliniken an der Paar erzählt vom Beschluss des Kreistages, der ihn zu einem neuen Einkaufsverhalten verhalf.

Horst Pappenberger

Patrick Hintermayr vom Universitätsklinikum Augsburg berichtet über seine Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.

Patrick Hintermayr

Herr Ruhland, Herr Pappenberger und Herr Hintermayr im Gespräch.

Podiumsdiskussion

Die Fachleute stellten sich den Fragen vom Publikum.

Fragen

Annika NottensteinerZoombild vorhanden

Annika Nottensteiner, LQB

Projektvorstellung: "So isst Bayern"
Annika Nottensteiner präsentierte das Projekt „So isst Bayern“. Zentrales Element sind zwei Siegel: das GQB-Siegel (Geprüfte Qualität Bayern) und das Biosiegel des Freistaates Bayern. Beide stehen für nachvollziehbare Herkunft, kurze Transportwege, regionale Wirtschaftskreisläufe und verlässliche Qualitätsstandards. Gerade für die Gemeinschaftsverpflegung bieten diese Siegel die Möglichkeit, klare Ausschreibungskriterien für Regionalität zu schaffen. Während die Siegel in der Landwirtschaft gut etabliert sind, kommen sie in der Gemeinschaftsverpflegung bisher nur vereinzelt zum Einsatz – das soll sich nun ändern.
Aleksandra SchusterZoombild vorhanden

Aleksandra Schuster, Transgourmet

Projektvorstellung: "Unsere Region"
Aleksandra Schuster stellte das Regionalprogramm „Unsere Region“ von Transgourmet vor. Es ermöglicht Kundinnen und Kunden, gezielt Lebensmittel aus einem Umkreis von 100 Kilometern auszuwählen und zu bestellen. Diese transparente Filtermöglichkeit bietet eine praktische Unterstützung für Küchen, die ihren Einkauf regionaler ausrichten möchten.
Bettina StegmüllerZoombild vorhanden

Bettina Stegmüller, Fritz-Felsenstein-Haus e. V.

Kommunikation als Schlüssel in Veränderungsprozessen
Mit einem interaktiven Impulsvortrag zeigte Bettina Stegmüller eindrucksvoll, wie Kommunikation als zentrales Element für gelingende Veränderungen wirkt. Alle Teilnehmenden konnten sich in ihren Erfahrungen mit Veränderungssituationen wiederfinden. Ein zentrales Thema war die subjektive Wahrnehmung von Veränderung – was für die eine Person klar ist, kann für eine andere Verunsicherung bedeuten. Daher braucht es ein gemeinsames Verständnis, aktives Zuhören und die Berücksichtigung psychosozialer Aspekte. Frau Stegmüller betonte: Veränderung ist ein Prozess – sie geschieht nicht über Nacht.
Michael Knickl steht am Rednerpult auf BühneZoombild vorhanden

Michael Knickl, Regierung von Schwaben

Update Lebensmittelhygiene
Zum Abschluss des Tages gab Michael Knickl ein informatives Update zur Lebensmittelhygiene. Im Mittelpunkt stand die Risikobewertung nach dem HACCP-Konzept – mit besonderer Betonung auf der Temperatur als zentralem Kontrollpunkt. Herr Knickl empfahl den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, aktiv Kühljournale von ihren Lieferanten einzufordern, um die Einhaltung der Kühlkette zu dokumentieren. Auch Fragen aus der Praxis kamen zur Sprache, etwa zur Verwendung ungestempelter Eier in der Gemeinschaftsverpflegung oder der Umgang mit Abklatschproben. Ein kompakter, aber praxisrelevanter Abschluss einer vielseitigen Tagung.